Gerd Brusius, Vice President Sales & Marketing für Magna in Europa

„Wir wollen die Vorreiterrolle behaupten“

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Magna entwickelt und produziert nicht nur Fahrzeugsysteme, sondern gestaltet aktiv das Mobilitätskonzept der Zukunft mit. Gerd Brusius, Vice President Sales & Marketing für Magna in Europa, ist davon überzeugt, dass das Unternehmen wie kein anderer Zulieferer für den rasanten Wandel der Branche gerüstet ist.

Das Interview führte Jürgen Goroncy, freier Mitarbeiter der AutomobilKonstruktion

Was macht Sie sicher, dass Magna so gut auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet ist?
Magna hat bereits jetzt eine starke Marktposition. Bei der Metallumformung, kamerabasierten Fahrerassistenzsystemen, Spiegeln, Allradsystemen und in der Auftragsfertigung sind wir weltweit die Nummer eins. Darüber hinaus steigern wir kontinuierlich die Investitionen, um unsere Vorreiterrolle auf dem Markt zu behaupten. Es ist für Magna von zentraler Bedeutung, dass wir Fahrzeuge ganzheitlich betrachten und Systeme entwickeln, die smarter, sauberer, sicherer sowie leichter sind und für unsere Kunden erschwinglich bleiben.
Gibt es bereits Produkte, die – vielleicht auch schon im Serieneinsatz – diesen Anforderungen genügen?
Im BMW i8 und Lincoln Continental wird bereits heute die Seitentürverriegelung SmartLatch eingesetzt. Das System arbeitet zu 100 Prozent elektronisch und kommt dabei vollständig ohne Kabel, Leisten und bewegliche Handgriffe aus. Die OEMs profitieren von Gewichtseinsparungen im Vergleich zu mechanischen Türverriegelungen, weniger Bauteilen und flexiblen Einsatzmöglichkeiten.
Wieviel Gewicht läst sich damit einsparen?
Etwa ein Kilogramm pro Tür, also insgesamt vier Kilogramm bei dem Lincoln Continental.
Das war ein Beispiel für smarte Produkte. Wie sieht es mit den anderen angesprochenen Eigenschaften aus?
Zu unseren Zielen gehört es, die Umwelteinflüsse aller Verfahren, Prozesse und Produkte so gering wie möglich zu halten. So erhöht zum Beispiel das zu- und abschaltbare AWD-System Flex4 die Kraftstoffeffizienz von allradgetriebenen Fahrzeugen erheblich. Es optimiert zugleich die Sicherheit, die Traktion und die Dynamik. Die optional angetriebenen Räder werden innerhalb von Millisekunden aktiviert beziehungsweise deaktiviert.
Bei welchem Hersteller ist Flex4 bereits in Serie?
Wer den Markt der allradgetriebenen Fahrzeuge kennt und etwas genauer hineinhorcht, wird sicher sehr schnell darauf kommen, welchen OEM wir gegenwärtig mit Flex4 ausrüsten. Nur haben Sie bitte Verständnis, dass wir die Kommunikation des Systems unseren Kunden überlassen.
Wie beeinflusst Magna mit seinen Produkten die Sicherheit der Fahrzeuge?
Im Moment vollzieht die gesamte Branche den Wechsel von passiver zur aktiven Sicherheit. Das Ziel lautet: keine Kollisionen, keine Unfälle, keine Verletzungen. Magna nimmt dabei durch die führende Position im Bereich Kameratechnik eine Schlüsselrolle ein. Wir arbeiten an flexiblen Systemen, die in Sensorfusionsanwendungen zum Einsatz kommen. Unser kamerabasiertes Fahrerassistenzsystem Eyeris, wie es im neuen Opel Astra eingesetzt wird, nutzt beispielsweise eine hochauslösende Frontkamera mit exzellentem Sichtfeld, die gemeinsam mit Radarsensoren Funktionen wie etwa Spurhaltung, Fernlichtassistent, automatische Notbremsung, adaptive Geschwindigkeitsregelung und Ähnliches regelt.
Als weiteren Aspekt nannten Sie das Gewicht, wie ist Magna in dieser Hinsicht aktiv?
Bei allen unseren Systemen steht die Gewichtsreduzierung immer ganz oben im Lastenheft. Wir leisten mit leichteren Sitzen oder Multimaterialstrukturen, Druckguss-Bauteilen für Fahrwerk und Karosserie sowie Motorhauben aus CFK einen wichtigen Beitrag zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und somit auch zur Senkung der CO2-Emissionen.
Was ist bei der Gewichtsreduzierung noch möglich?
Das zeigt wohl das Multimaterial-Leichtbaufahrzeug (MMLV) sehr deutlich. Das MMLV ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Ford, Magna International und dem US-Energieministerium mit dem Ziel, ein Leichtbaufahrzeug zu konzipieren, zu entwickeln und herzustellen. Dabei ist es uns gelungen, den Ford Fusion auf das Gewicht des Fiestas zu reduzieren. Die erreichte Gewichtseinsparung von 23,5 Prozent entspricht etwa 250 Kilogramm. Wesentlich dabei war der ganzheitliche Ansatz. Diesen Fortschritt realisieren wir nicht nur durch Materialersatz, sondern auch die Funktionsintegration und die Erhöhung der Leistungsdichte der einzelnen Komponenten sind extrem wichtig. Bei den Werkstoffen setzen wir auf hochfeste Stähle, Aluminium und verstärkte Kunststoffe. Wobei Magna nicht die Werkstoffe, sondern Komponenten aus diesen leichten Materialien liefert.
Wann rechnen Sie mit einem Serieneinsatz?
Das hängt davon ab, wie schnell die Elektrifizierung einer Plattform voran schreitet. Mit zunehmender Elektrifizierung wird das Fahrzeug deutlich schwerer. Deshalb arbeiten wir an dieser deutlichen Reduzierung, um das Zusatzgewicht von Batterie, Elektromotor etc. bei einem Hybrid zu kompensieren.

Zur Person
Gerd Brusius (63) war 18 Jahre in unterschiedlichen Positionen bei Ymos tätig. Seine Karriere bei Magna begann er 1996. Etwa ein Jahr später wurden Teile von Ymos durch Magna Decoma übernommen. Brusius wurde im Jahr 2004 zum Mitglied des Vorstands der Magna International Europe AG ernannt. In dieser Funktion war er unter anderem für den Aufbau der Magna Logistics Europe (MLE) sowie für die Leitung diverser Bereiche, wie Qualität und Business Development, verantwortlich. Seit Mai 2008 ist er Vice President Corporate Sales & Marketing der Magna International Europe AG. Zusätzlich wurde er im August 2013 als Executive Vice President Sales & Marketing in den Vorstand von Magna Steyr berufen. Darüber hinaus ist er seit Juni 2011 Vorstandsmitglied der Magna Metalforming AG und seit Juli 2011 Mitglied des Aufsichtsrats der Magna Steyr AG.
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