Experten im Gespräch

„Sehr komplizierte Geometrien in einem Arbeitsdurchgang“

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140 Millionen Bauteile jährlich, etwa zwei Drittel aller Automobilhersteller als Produktendkunden: Die Voit Automotive GmbH aus St. Ingbert ist anerkannter Partner. Christoph Langehenke, CTO und Geschäftsführer von Voit, erklärt die neueste Produktionserweiterung und Erwartungen bezüglich Elektromobilität.

Das Interview führte Jürgen Goroncy, freier Mitarbeiter der AutomobilKonstruktion

Voit ist so etwas wie ein Hidden Champion. Was ist die Kernkompetenz des Unternehmens?
Wir haben drei große Technologien unter einem Dach und fertigen kundenspezifische Bauteile per Umformtechnik, Warmumformtechnik und Aluminium-Druckguss. Neben der bloßen Teilefertigung bieten wir auch Komplettlösungen aus einer Hand: Vom Engineering über Werkzeugbau, Gießerei, Stanzerei, Warmumformung und Bearbeitung bis hin zur Logistik. Die Bearbeitung schließt Oberflächenbehandlungen sowie Fügeoperationen wie Schweißen, Nieten, Kleben und Dichten mit ein. Spezialisiert haben wir uns auf komplexe Bauteile und Baugruppen im Antriebsstrang sowie auf Strukturbauteile und -baugruppen in der Karosserie und für den Innenraum.
Unsere etwa 1.600 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von etwa 220 Millionen Euro pro Jahr, je zur Hälfte mit Umformteilen und Gussteilen. Voit beliefert einige OEMs direkt, aber zumeist an Automobilzulieferer.
Voit hat erst kürzlich seine Fertigungskapazitäten in St. Ingbert um eine neue Pressenanlage erweitert. Welche Produkte für welche Kunden werden darauf gefertigt?
Auf der neuen Presse werden Komponenten für Automatikgetriebe und für den Wandler gefertigt, Pilotkunde war ZF. Ein langjähriger Kunde, für den wir schon seit 2005 Getriebeteile für das 6HP-Getriebe, später auch für das 8HP-Getriebe produzieren.
Welche Vorteile hat Voit mit der neuen Pressenanlage?
Wir setzen bisher schon ähnliche Pressen mit neun Arbeitsschritten ein. In der neuen Presse sind jedoch insgesamt zwölf einzelne Fertigungs- und Bearbeitungsstufen integriert. Das heißt, wir können jetzt noch kompliziertere Getriebegeometrien in einem Arbeitsdurchgang herstellen, ohne die Teile zwischendurch zu entnehmen und zwischenlagern zu müssen. Innerhalb der Presseneinheit übernimmt ein Shuttle den Transfer des Bauteils von einer Bearbeitungsstufe zur nächsten.
Warum haben Sie sich für die Presse von Aida entschieden?
Eine Bedingung war, dass der Werkzeugaufbau der neuen Anlage redundant zu unseren beiden bestehenden Anlagen von Müller Weingarten ist, um Teile auf allen drei Anlagen fertigen zu können. Außerdem sollte der Pressenhersteller in der Lage sein, solche Pressen auch in Asien und Nordamerika liefern zu können. Diese Anforderungen haben wir drei Pressenherstellern aus Deutschland, Spanien und Japan unterbreitet. Unter dem Strich hat Aida dann das beste Angebot abgegeben. Es war nicht das billigste, aber dafür das preiswerteste Gesamtpaket.
Wie hoch ist die volle Produktionsleistung?
Geplant sind 10 bis 30 Hub pro Minute, was unter dem Strich bis zu drei Millionen Einheiten pro Jahr ergibt. Das korrespondiert mit unserem Ziel, stärker in dieses Produktspektrum einzusteigen. Ergänzend werden noch weitere Wertschöpfungsschritte wie Montageleistungen und Schweißanlagen hinzukommen, die wir weltweit – also in den wichtigen Automobilmärkten Nordamerika, Europa und Asien – anbieten werden.
Welche Summe hat Voit für die neue Presse investiert?
Für diese und eine bereits bestellte, identische, Anlage werden wir insgesamt 21 Millionen Euro ausgeben.
Bis wann soll sich die Investition amortisiert haben?
Wir kalkulieren, dass wir nach einem Jahr Anlaufzeit mit der Anlage Geld verdienen. Bis sie abbezahlt ist, wird es aber noch einige Jahre dauern.
Wie ist Voit weltweit aufgestellt?
Wir haben Produktionskapazitäten in St. Ingbert, Polen und Mexiko. Aktuell erwägen wir einen neuen Standort in China. Denn die internationalen Kunden erwarten heute einfach eine Belieferung von den jeweiligen lokalen Märkten aus.
Welche Rolle spielt die Elektromobilität bei Voit?
Wir stehen Produkten zur E-Mobilität sehr offen gegenüber. Bisher fertigen wir ja schon Aluminium-Druckgussteile für die 8HP-Getriebe von ZF, die teilweise als Hybridapplikationen Anwendung finden. Aktuell verzeichnen wir vermehrt Anfragen nach Getriebeteilen für Hybridantriebe, nach Komponenten für elektrisch unterstützte Lenkungen sowie nach Komponenten für Elektromotoren.
Sehen Sie außer der E-Mobilität noch andere Wachstumsfaktoren für Voit?
Die bevorstehende Automatisierung des Antriebsstrangs wird neue Bauteile erforderlich machen, wie etwa Gehäuse für die Lenkung, Getriebekomponenten, Bauteile für Kompressoren oder auch elektrische Booster. Wir sehen da noch genügend Bedarf für hochwertige, bearbeitete Gusskomponenten und Umformteile.

Zur Person
Dipl.-Ing. Christoph Langehenke (45) studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und erwarb einen MBA-Abschluss an der Universität St. Gallen. Nach Stationen bei Ford in Köln (Getriebeentwicklung) und Saarlouis (Technischer Leiter Rohbaupresswerk) wechselte er 2008 zu Voit. Dort ist er heute Chief Technical Officer (CTO) und Geschäftsführer.
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