Experten im Gespräch

„Lösungen entwickeln und nicht nur ein Produkt verkaufen“

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Erst kürzlich gab James R. Verrier, President und Chief Executive Officer von Borg Warner, eine Umsatzsteigerung von derzeit 8,3 auf 15 Milliarden US-Dollar bis 2020 als strategisches Ziel des Unternehmens bekannt. Wir sprachen mit ihm unter anderem über künftige Trends in der Automobilindustrie, deren Auswirkungen auf die Zulieferer und wie das Unternehmen den Herausforderungen begegnet.

Das Interview führte Jürgen Goroncy, freier Mitarbeiter der AutomobilKonstruktion

Die Automobilindustrie steht vor beträchtlichen Herausforderungen. Was sind für Sie weltweit die entscheidenden Trends zum Thema Antriebsstrang?
Die Trends beim Antriebsstrang formen sich auf der ganzen Welt nach den zunehmend strengeren Abgasnormen und der Nachfrage nach mehr Kraftstoffeffizienz. Die Verbraucher legen gleichzeitig Wert auf die Performance eines Fahrzeugs. Somit ist eine konstant ansteigende Nachfrage nach kraftstoffsparenden, umweltfreundlichen Fahrzeugen zu erwarten, die parallel dazu einzigartigen Fahrspaß bieten.Die Effizienz des Verbrennungsmotors zu optimieren zählt zu den wesentlichen Trends. Um dabei die nächste Stufe zu erreichen, bedarf es einer systemübergreifenden Herangehensweise. Die Kombination von Abgasrückführung (AGR) und AGR-Kühlung in Verbindung mit fortschrittlichen Turbolader- und Getriebetechnologien kann dazu beitragen, den gesamten Antriebsstrang zu optimieren.Ein weiterer Trend ist die steigende Nachfrage nach Allradtechnik (AWD) bei allen Fahrzeugtypen. Die Endkunden haben erkannt, dass sich bei mit Allrad ausgestatteten Fahrzeugen nicht nur die Traktion, sondern auch das Handling, die Fahrdynamik und die Stabilität des Fahrzeugs verbessern. Die Elektrifizierung und Hybridisierung von Fahrzeugen sind ebenfalls im Kommen und bieten ein gewaltiges Wachstumspotenzial. Stopp/Start-Systeme zum Beispiel können den Kraftstoffverbrauch um bis zu zehn Prozent reduzieren und das bei sehr geringen zusätzlichen Kosten. Wir beobachten einen drastischen Anstieg beim Einsatz dieser Technologie. Borg Warners Eco-Launch Magnetventil ermöglicht eine kostengünstige, gut funktionierende Verknüpfung von diesen Stopp/Start-Systemen mit aktuellen Automatikgetrieben.
Was bedeuten diese Anforderungen für global agierende Zulieferer?
Die Komplexität nimmt zu. Eine größere Anzahl an Produkten, kürzere Technologiezyklen, der steigende Innovationsdruck und die globalen Netzwerke stellen eine zunehmende Herausforderung für die Zulieferer dar. Der harte Wettbewerb macht Effizienz, Innovation und Flexibilität zu einem Muss. Das Streben der OEMs nach optimierten Technologien für den Antriebsstrang erfordert es, dass Forschung und Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit den Autoherstellern stattfinden. Wir arbeiten aus Überzeugung eng mit unseren Kunden zusammen. Unser Ziel ist es eine Lösung zu entwickeln und nicht nur ein Produkt zu verkaufen. Nur so entstehen echte Innovationen. Globale Präsenz und eine breite Wissensbasis sind essentiell, um Produktreihen anbieten zu können, die exakt auf die Gegebenheiten und besonderen Bedürfnisse der einzelnen Märkte zugeschnitten sind. Wir bieten beispielsweise eigens für den brasilianischen Markt entwickelte Flex-Fuel-Turbolader für Benzinmotoren an, die sowohl mit einem Ethanolanteil von 25 Prozent als auch mit reinem Ethanol betrieben werden können.
Sie erwähnten bereits die Effizienzsteigerungen beim Verbrennungsmotor und beim Antriebsstrang als globale Trends der nächsten Jahre. Über welche Technologien verfügt Borg Warner um diesen Herausforderungen zu begegnen?
Wir besitzen ein sehr starkes Portfolio an hochentwickelten Technologien. Unsere Turbolader sind eine Schlüsseltechnologie für moderne Motoren. Wir bieten zum Beispiel ein geregeltes zweistufiges Aufladesystem an, das sein Debüt 2004 in einem Diesel-Pkw feierte, die erste geregelte Aufladegruppe mit drei Turboladern weltweit sowie Turbolader mit variabler Turbinengeometrie für Diesel- und Ottomotoren. Zudem verfügen wir in unserem Portfolio über elektrische, elektrisch unterstützte und elektrisch angetriebene Turbolader.Die Kombination von Turboaufladung und Abgasrückführung kann das komplette Motorsystem optimieren. Gekühlte AGR unterstützt die Emissionsreduzierung bei Diesel- und Ottomotoren mit direkter Einspritzung. Unsere fortschrittlichen Zündungstechnologien helfen dabei, eine magere Verbrennung und gesteigerte AGR zu ermöglichen – immer mit dem Ziel, die Leistung zu verbessern und Emissionen zu reduzieren. Außerdem bietet Borg Warner eine Reihe von Technologien mit variabler Nockenwellensteuerung an, die zu einer Effizienzsteigerung des Motors führen und gleichzeitig dessen Gewicht, Umfang und Komplexität verringern. Für den Antriebsstrang verfügt Borg Warner unter anderem über Lösungen für Doppelkupplungen wie unser DualTronic Kupplungs- und Kontrollmodul. Der Fahrer profitiert hier von geringeren Abgasemissionen und einem Gangwechsel ohne spürbare Zugkraftunterbrechung. Darüber hinaus bieten Doppelkupplungsgetriebe großes Potenzial für einen Einsatz in Elektro- und Hybridfahrzeugen.
Welche Richtung nimmt Ihrer Meinung nach die Entwicklung beim Antriebsstrang?
Wir erwarten eine zunehmende Nachfrage hinsichtlich der Hybridisierung und Elektrifizierung von Fahrzeugen. Fortschrittliche Verbrennungsmotoren mit Stopp/Start-Systemen und neueste Turbolader wie unser eBooster gehören zukünftig zum Alltag und bieten zusätzliche Möglichkeiten. Wir haben eine Vielzahl an Technologien entwickelt, die die OEMs dabei unterstützen sollen die weltweit immer strengeren Emissionsvorschriften zu erfüllen und deren Einführung in den nächsten Jahren geplant ist.

Zur Person
James R. Verrier ist seit Januar 2013 President und Chief Executive Officer von Borg Warner Inc. Seit seinem Eintritt ins Unternehmen im Jahr 1989 begleitete er unterschiedliche Positionen und Aufgaben, beispielsweise im Qualitätsmanagement, Personalwesen sowie im operativen Management.
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