12. CTI-Symposium „Fahrzeuggetriebe, HEV- und EV-Antriebe“ in Berlin

Gut Ding will eben Weile haben

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Die Entwicklung der Elektromobilität wird kontrovers diskutiert. Im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen? Auf dem 12. Getriebesymposium wollte sich darauf niemand festlegen. Konventionelle Antriebe und Hybridvarianten sind angesagt. Das Getriebe spielt dabei weiterhin eine zentrale Rolle. DKG und CVT erobern Marktanteile. Aber auch die Themen funktionale Sicherheit und Sparpotenziale bei der Anzahl der Gänge wurden auf dem Symposium diskutiert.

Der Autor: Alexander Völkert, freier Fachjournalist in Berlin

Hunderte von Fachleuten aus der Antriebstechnik in der der Automobilindustrie reisen seit Jahren Anfang Dezember nach Berlin. Beim 12. Getriebesymposium trafen sich im Maritim Hotel nicht weniger als 1100 Teilnehmer, um sich über Trends und Neuigkeiten zur Zukunft des Getriebes auszutauschen. Der Vorsitzende des Fachbeirates, Prof. Ferit Küçükay, hieß die Teilnehmer aus 24 Ländern willkommen. Seine Aussage: die Automobilindustrie produziere und verkaufe global mehr Fahrzeuge als je zuvor. Selbst der Absatz auf dem seit vielen Jahren sinkenden europäischen Markt erhole sich wieder. Zudem werde in die Forschung und Entwicklung der Automobilindustrie mehr investiert als früher. Die Automobilfirmen bereiten sich auf die verschärften Umweltanforderungen vor und hätten auf der IAA noch nie so viele Fahrzeuge mit Hybrid- und Elektroantrieb vorgestellt wie 2013. „Das ist hier seit Jahren ein festes Familientreffen. Alle sind freundschaftlich gesinnt, denn in Deutschland wird nicht zwischen Seller und Buyer entschieden“, erklärt die Projektleiterin der Veranstaltung, Sylvia Zenzinger. Hier ginge es um state of the art und zugleich um die Zukunft des Getriebes. Somit werden von Jahr zu Jahr stets neue Hype-Themen integriert.
Die Elektromobilität sei seit Jahren fester Bestandteil der Diskussionen aber auch das Thema Funktionale Sicherheit, die 48 V-Batterie-Spannung, das autonome Fahren und die besonderen Herausforderungen in den Mega-Cities spielten in den Vorträgen und Gesprächen während der Veranstaltung eine Rolle.
Grün und sauber in die Zukunft
Autofahren und Umweltvertrtäglichkeit – das war auch auf dieser Veranstaltung ein wichtiges Thema. Dass die Hausaufgaben bereits gemacht wurden, berichtete Dr. Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer Technik und Umwelt beim VDA, „denn wir haben in den letzten Jahren den CO2-Ausstoß bereits um 40 Prozent gesenkt, und die Schadstoffe um 96 Prozent reduziert“. Fast alle bisherigen CO2-Einsparungen wurden durch Optimierungen in der klassischen Fahrzeugtechnik erreicht: durch Leichtbau, Verbesserungen im Antrieb, Effizienzverbesserung des Motors oder Roll- und Luftwiderstandsreduzierung. Auch die Art der Energiegewinnung müsse berücksichtigt werden: Die Herstellung von Wasserstoff aus dem EU-Strom-Mix wäre nicht empfehlenswert. Bei seiner Gewinnung aus regenerativen Energien lägen zwar die CO2-Emissionen bei Null, es würde aber die Energieeffizienz nicht wesentlich steigern. Die batterieelektrische Mobilität aus dem EU-Strom-Mix würde zu einer erheblichen Verbesserung der CO2-Gesamtbilanz führen. Bei regenerativer Energiegewinnung ließe sich jedoch mit beiden Konzepten die CO2-Gesamtemission auf ein Minimum reduzieren.
Elektromobilität in kleinen Schritten
Selbstverständlich nahm das Thema Elektrifizierung auf dem 12. Getriebesymposium eine große Rolle ein. Als größte Herausforderungen wurden nach wie vor die Themen Batterie, die Reichweite, aber auch die Entwicklung der Infrastruktur genannt. Dr. Dirk Uwe Sauer, Experte für Elektrochemische Energieumwandlung und Speichersystemtechnik von der RWTH Aachen, informierte die Teilnehmer über den aktuellen Stand in der Batterietechnik: „Es läuft auf die Lithium- Ionen-Batterien hinaus, alle anderen Technologien spielen nur noch eine untergeordnete Rolle“, sagte er. Allerdings hält er eine Klärung aller grundsätzlichen Fragen bezüglich Lithium-Schwefel- oder Lithium-Luft-Batterie nicht vor 2025 für möglich. „Wir werden bei den Lithium-Ionen-Batterien keine Explosion der Energiedichten sehen, hier gibt es physikalische Grenzen“. Die Steigerung der Leistungsdichte sieht Sauer bei realistischen drei bis vier Prozent pro Jahr. Aus Sicht des VDA ist die Elektromobilität auf der IAA und bei den Händlern angekommen, jetzt müsse sie nur noch den Kunden erreichen. Ob das Ziel, bis 2020 in Deutschland eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, realistisch sei, könne niemand sagen. Die Entwicklung der Elektromobilität sei noch völlig unsicher und offen.
Getriebekonzepte so vielseitig wie nie
Laut Küçükay werde ein Nebeneinander verschiedener Konzepte künftig stärker denn je zur Getriebe- und Antriebslandschaft gehören. Diese Branche befinde sich in einem durchgreifenden Umbruch, getrieben vom Streben nach hohem Wirkungsgrad, hoher Übersetzungsspreizung, niedriger Ölviskosität, bedarfsorientierter, intelligenter Aktorik und hoher Anfahrdynamik – das alles bei gutem Komfort und hoher Gangzahl, wobei hier eine Obergrenze erreicht zu sein scheint. „Die Steigerung der Fahrbarkeit und Effizienz durch die Wahl der richtigen Getriebeübersetzung und Betriebsstrategie stünden im Fokus“, so der Chairman der Veranstaltung.
Für Magna-Berater Demel ist klar, dass es ein „Weltauto“ im Volumensegment nicht gibt. Die technischen Lösungen fallen in den jeweiligen Ländern sehr unterschiedlich aus. Zudem würde sich ein gewisses Mindestmaß der Elektrifizierung von Autos wie durch Start/Stop-Technologie bis 2020 nicht zu 100 sondern nur etwa zu 50 % durchsetzen. So würden die manuellen Getriebe auch noch im Jahr 2019 mit über 50 % dominieren. Er positioniert sich klar: die eCVT wüchsen langsam, die AT würden rückläufig sein und die CVT weiter massiv wachsen. Ferner würden DCT zurückgehen, AMT würden ihre Schwächen in der Schaltqualität durch die Elektrifizierung ablegen sowie größere Marktanteile erringen und die MT sich auf dem aktuellen Niveau halten.
CVT-Getriebe auf dem Vormarsch
CVT-Getriebe erobern derzeit vor allem in Japan und den USA Marktanteile und erfreuen sich wachsender Akzeptanz. Grund genug, dem Thema daher eine gesamte Vortragsreihe zu widmen, die gut besucht war. Unter anderem war dort zu hören, dass Jatco das Ziel verfolge, ein ultimatives CVT zu bauen, und dies mit einem Schwungradantrieb sowie einer Hybridisierung zu kombinieren. Und auch für Coen Rooijmans, Senior Vice President bei der niederländischen Bosch Transmission Technology, ist das CVT-Getriebe mit 20 % Anteil am automatischen Getriebemarkt das beliebteste Konzept. Es sei für Hybridsysteme eine attraktive Lösung, da es eine gute Fahrbarkeit und Kraftstoffeinsparung biete.
Auf der Podiumsdiskussion wurde über die Herausforderung CO2 debattiert, und auch darüber, wie künftige Ziele erreicht werden könnten. MT, AMT, DKG, AT, CVT – auf die Frage, welches Getriebekonzept am meisten zur Effizienzsteigerung des konventionellen Antriebs bis 2030 beisteuern könnte, stimmten 41 % der Teilnehmer für das Doppelkupplungsgetriebe (DKG). 17 % des Auditoriums entschieden sich für die CVT-Technologie.
Mit über 1100 Teilnehmern aus aller Welt gilt das CTI-Symposium in Berlin als einer der größten Treffpunkte für Getriebe- und Antriebsexperten. Im Mai 2014 wird CTI bereits zum achten Mal ein Getriebe-Symposium in den USA ausrichten. In China fand die Veranstaltung in diesem Jahr zum zweiten Mal statt.
2014 in Neukölln
Parallel zum Tagungsprogramm fand die 12. Internationale „Transmission Expo“ statt. Die Fachmesse mit mehr als 90 Ausstellern aus Europa, USA und Asien bot dem Publikum die Möglichkeit, sich über die weltweiten Trends der Branche zu informieren. Und die Nachfrage nach Ausstellungsfläche steigt weiter. Somit sind im Maritim Hotel in Berlin Mitte die Platzkapazitäten erschöpft. Das 13. Getriebesymposium wird im Dezember 2014 wieder in der deutschen Hauptstadt stattfinden – allerdings dann in Neukölln im Hotel Estrel – im größten Hotel Deutschlands.
Euroforum Deutschland SE, Tel.: 0211 9686-3381, julia.batzing@euroforum.com

Statement

„Good News für die Getriebewelt: Auch in Zeiten elektrifizierter Antriebe kommt dem Getriebe eine hohe Bedeutung zu. Allerdings werden sich die Schwerpunkte verschieben: Die Anzahl der Gänge wird wieder abnehmen, und zwar in dem Maße, wie der Leistungsanteil der E-Maschine im Antriebstrang steigt. Noch stärker in den Fokus rücken werden Wirkungsgrad und akustische Eigenschaften, denn Energie ist kostbar und das elektrische Fahrerlebnis begeistert durch die beiden Eigenschaften Dynamik und Lautlosigkeit.“

Statement

„Die Entwicklung von sicheren Getrieben ist nicht erst seit Erscheinen der ISO 26262 ein Thema bei ZF, allerdings stellt die Norm die konsequente Weiterentwicklung dar, um auch in Zukunft sichere Produkte auf den Markt bringen zu können. Deshalb ist die Anwendung der ISO 26262 eine Grundvoraussetzung, um die zunehmende Komplexität, z. B. die Vernetzung im Hybrid- antriebsstrang, zu beherrschen. Hierfür müssen die Entwicklungsprozesse der OEMs und der Zulieferer weiter zusammenwachsen.“
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