Mobilitätsstudie: Experten zeigen sich optimistisch

Elektrofahrzeuge: Ziel der Regierung scheint erreichbar

Zukunft Elektromobilität: der Audi A1 e-tron Bild: e-mobil BW
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Allen kritischen Stimmen zum Trotz scheint es weiterhin plausibel, dass das Ziel der Bundesregierung von 1 Million Elektrofahrzeugen im Jahr 2020 erreicht wird. Dies ist ein Ergebnis der zweiten Mobilitätsstudie, die das Beratungsunternehmen Horváth & Partners in Zusammenarbeit mit dem Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der EBS Business School durchgeführt hat.

An der Mobilitätsstudie des Beratungsunternehmen Horváth & Partners haben sich rund 280 Experten aus Unternehmen der Automobil- und Energiewirtschaft sowie mit diesen verbundenen Zweigen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich beteiligt. 70 % der befragten deutschen Experten sind der Meinung, dass der Bestand an Elektrofahrzeugen in Deutschland die Millionenmarke bis zum Jahr 2020 durchbrechen wird.

Nach Ansicht der Industrieexperten werden Hybridantriebe 2020 rund 8 % des deutschen Fahrzeugbestandes ausmachen. Bei einem geschätzten Fahrzeugbestand 2020 von 47 Millionen Pkw entspricht dies rund 4 Millionen Fahrzeugen. Mit etwa 3,9 %, rund 1,8 Millionen Fahrzeugen, folgen Stromantriebe einschließlich Plug-In-Hybride, deren Batterie zusätzlich über das Stromnetz ladbar ist. Fahrzeugen mit Brennstoffzellen trauen die Experten bis 2020 einen Marktanteil von 1,3 % zu, dies entspricht knapp 600 000 Fahrzeugen. Inklusive Gasantrieben kämen alternative Antriebe damit auf 8,4 Millionen Fahrzeuge, was einem Anteil von gut 18 % entspräche.
Vor dem Hintergrund schwacher Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen sowie kritischer Aussagen verschiedener Marktteilnehmer in Bezug auf die Entwicklung der Elektromobilität überrascht die positive Bilanz der Studie. „Auch wenn bisher gerade mal knapp über 6000 Elektrofahrzeuge in Deutschland verkauft wurden – und dies hauptsächlich an Unternehmen, nicht an Privatpersonen –, so darf nicht der Eindruck entstehen, es gebe in Bezug auf die Elektromobilität wenig Dynamik“, argumentiert der Studienverantwortliche, Horváth-Partner Dr. Oliver Greiner. Mitherausgeber Prof. Dr. Ronald Gleich ergänzt: „Im Gegenteil: Viele Unternehmen haben sich intensiv an die Arbeit gemacht. So gaben über die Hälfte der befragten Unternehmen an, die Veränderungen im Bereich Mobilität aktiv anzugehen, lediglich 27 Prozent bezeichnen sich als eher abwartend und zurückhaltend.“
Reichweite ist Sorgenkind Nummer eins
Trotz des wachsenden Engagements der befragten Unternehmen sind die bleibenden Hürden auf dem Weg zur Durchsetzung der Elektromobilität und einem neuen Nutzerverhalten immer noch präsent. Sorgenkind Nummer eins ist weiterhin die Reichweite von Elektrofahrzeugen, auch wenn die Problematik etwas weniger schwerwiegend eingestuft wird als noch in der Vorstudie. „Die Elektromobilität wird vor allem im Zweitwagen-Segment und im Kurzstreckenbereich zulegen. Dort hat sie großes Potenzial“, prognostiziert Matthias Deeg, Energieversorgungsexperte bei Horváth & Partners.
Noch bremsen darüber hinaus die Kosten für Elektrofahrzeuge deren intensive Verbreitung. Zwar sind nach Einschätzung der Experten potenzielle Käufer bereit, für ein Elektrofahrzeug mehr auszugeben als für ein konventionelles Auto, die zusätzliche Zahlungsbereitschaft liegt bei kleineren Fahrzeugen aber lediglich bei 5 bis 10 % und bei größeren Fahrzeugen nicht wesentlich darüber.
Ein weiteres Problem stellt der geringe Anreiz für die Energieversorger dar, die Elektromobilität zu forcieren. Vor allem der Aufbau einer entsprechenden Ladeinfrastruktur ist in der aktuellen Form für die Energieversorger nicht lukrativ. „Während es beispielsweise für die Automobilindustrie profitable Geschäftsmodelle im Rahmen der Elektromobilität gibt, sucht die Energiebranche noch nach interessanten Wachstumsfeldern“, erklärt Matthias Deeg.
Ruf nach staatlicher Förderung wird lauter
Entsprechend lauter wird der Ruf der Industrievertreter nach verstärkter Förderung durch den Staat, insbesondere in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie bei indirekten Förderungen, etwa in Form von innerstädtischen Beschränkungen für traditionelle Verbrennungsfahrzeuge. Der kontrovers diskutierten Absatzförderung messen die Experten im Vergleich dazu noch eine geringere Rolle bei, allerdings mit deutlich zunehmender Tendenz im Vergleich zur Studie 2011.
Trotz der noch vorherrschenden Problemfelder erwarten die Experten eine deutliche Veränderung im Mobilitätsverhalten, was laut Studie nicht nur durch den Zuwachs an Elektroautos in Zukunft weiter vorangetrieben wird. Insbesondere der weiteren Verbesserung der Anschlussmobilität sowie der Nutzung moderner Car-Sharing-Konzepte messen die Experten hier eine zunehmend hohe Bedeutung bei.
Entsprechend könnte in den nächsten Jahren erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik der Trend zu wachsendem Motorisierungsgrad gekippt werden, welcher aktuell bei 510 Fahrzeugen je 1000 Einwohner liegt.
Über die Studie
Die Studie gehört zu den größten branchenübergreifenden Studien zum Thema E-Mobility und neue Mobilitätskonzepte, die bisher in Deutschland durchgeführt wurden. Die Untersuchung fand von Juni bis Oktober als gemeinschaftliche Studie von Horváth & Partners Management Consultants und dem Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der EBS Business School statt. Verwendet wurde eine ungeschichtete Zufallsstichprobe aus einer Grundgesamtheit von rund 3000 Kontaktadressen aus den Wertschöpfungssektoren Automotive, Energie und Provider/Dienstleistungen. Knapp 280 Teilnehmer aus 250 Unternehmen nahmen an der Untersuchung teil.
Kontakt SIIE / EBS: Christoph Schneider, Tel.: 0611 7102-1367, E-Mail: ch.schneider@ebs.edu
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