Abgastechnik-Spezialist wächst weiter kräftig

Boysen setzt neue Bestmarken

Just-in-Sequence-Produktion kompletter Abgasanlagen Bild: Boysen
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Dritte Rekordbilanz in Folge: Mit einem Umsatz knapp an der Milliarden-Euro-Grenze beendet der Abgastechnik-Spezialist Boysen das Geschäftsjahr 2012. Und der Ausblick könnte kaum besser sein: Die Unternehmensgruppe wächst auf 17 Standorte weltweit und investiert 280 Mio. Euro innerhalb von 30 Monaten.

Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2012 zieht die Boysen-Gruppe zum dritten Mal in Folge eine Rekordbilanz. Zugleich markiert das vergangene Jahr den Start des bislang größten und schnellsten Wachstumsschubs in der Geschichte des mittelständig strukturierten Automobilzulieferers aus Altensteig. „Mitte 2012 haben wir die entscheidenden Großaufträge erhalten“, berichtet Geschäftsführer Rolf Geisel. „Damit verbunden war die Vorgabe, dass sich die Zahl unserer Standorte innerhalb von nur zwei Jahren von weltweit zehn auf 17 erhöhen wird.“

Der Umsatz des Abgastechnik-Spezialisten lag im vergangenen Jahr bei 984 Mio. Euro – gegenüber 969 Mio. Euro im Vorjahr. Prozentual gesehen fällt der Anstieg gering aus, doch Rolf Geisel bewertet die Zahlen unter anderen Gesichtspunkten: „Das Ergebnis zeigt, dass wir uns entgegen dem Branchentrend erfolgreich gegen die starken Einbrüche im europäischen Automobilmarkt und im weltweiten Nutzfahrzeugmarkt gestemmt haben.“ Dazu beigetragen habe einmal mehr die Kundenstruktur: „Unsere Hauptabnehmer im Automobilbereich heißen Audi, BMW und Mercedes-Benz. Deren Modelle laufen in den USA und in China nach wie vor sehr erfolgreich, womit wir die Rückgänge in Europa zum Teil kompensieren konnten.“
Die Zahl der Beschäftigten lag Ende 2012 bei 1980 gegenüber 1900 ein Jahr zuvor. Die Investitionen beliefen sich auf 82 Mio. Euro und entsprechen damit dem Vorjahresniveau. Weitere Kennzahlen nennt das Stiftungsunternehmen nicht. Allerdings versichert Geisel: „Auch wenn es der hohe Kostendruck im Zuliefererbereich eine gute Rendite nur schwer zulässt, bewegt sich der Gewinn von Boysen für Branchenverhältnisse einmal mehr klar im oberen Bereich. Dabei zeigt sich, dass wir mit konsequenten Investitionen in die hohe Automatisierung und Flexibilisierung der Produktion richtig liegen. Unsere Werke laufen rentabel.“
Fünf neue Produktionsstandorte
Beim Rückblick verweist Geisel vor allem auf die seit Mitte 2012 verfolgte Zukunfts- und Wachstumsstrategie der Unternehmensgruppe. Diese sieht unter anderem gleich fünf neue Produktionsstandorte vor: Im aktuell bereits fertiggestellten neuen Werk in Achim bei Bremen sowie den in unterschiedlichen Bauphasen befindlichen neuen Produktionsstätten in Tuscaloosa (USA), East London (Südafrika) und Langfang (China) wird Boysen ab 2014 komplette Abgasanlagen produzieren. Geliefert wird an BMW und Mercedes. Die bereits seit 1994 erfolgreich praktizierte Just-in-Sequence-Produktion und -Lieferung wird ab 2015 auch am neuen Standort Ingolstadt für den Nachfolger des Audi A4 aufgenommen.
Unabhängig vom Ausbau der Fertigungskapazitäten ist der Geschäftsführer überzeugt, „dass wir eine langfristige Steigerung unseres Umsatzes und unserer Marktanteile nur über eine langfristige Steigerung unserer Innovations- und Entwicklungsleistungen realisieren können“. Dieser Überzeugung folgend, beinhaltet die Wachstumsstrategie der Gruppe auch den Bau eines zweiten Entwicklungsstandortes: Im baden-württembergischen Nagold, nur wenige Kilometer vom Entwicklungs- und Verwaltungszentrum in Altensteig entfernt, entsteht seit Juni dieses Jahres das Boysen-Innovationszentrum. Dort sollen bis zu 120 neue Mitarbeiter einen Teil der Entwicklungsarbeit für die Automobilkunden sowie alle Neuentwicklungen für die Nutzfahrzeugkunden übernehmen.
Komplettiert werden die Bausteine der Wachstumsstrategie durch den Zukauf der MHG Fahrzeugtechnik GmbH im schwäbischen Heubach. „Die MHG ist ein ausgewiesener Spezialist für Kleinserien und Prototypenteile im Abgasbereich. Wir arbeiten mit dem Familienunternehmen seit vielen Jahren sehr eng und vertrauensvoll zusammen“, sagt Geisel.
2012 zählte Boysen zehn Standorte weltweit. 2014 werden es 17 sein – verbunden mit einem Anstieg der Mitarbeiterzahl auf rund 2500. Die Gesamtinvestition für den Ausbau beziffert der Geschäftsführer auf rund 280 Mio. Euro. „Dieses Pensum in nur 24 Monaten ist eine extreme Herausforderung. Das ist nur mit größten Anstrengungen und bedingungslosem Einsatz machbar, zumal wir parallel auch die Erweiterung bereits bestehender Standorte vorantreiben und uns immer wieder mit neuen, besseren Produktionsverfahren beschäftigen.“
Weiteres Potenzial in der Abgastechnik
Der Blick auf die aktuelle und zukünftige Auftragslage lässt die Prognosen von Rolf Geisel für die kommende Entwicklung der Unternehmensgruppe äußerst positiv ausfallen: „Im laufenden Geschäfts- und Großbaujahr 2013 wird Boysen erstmals eine Milliarde Euro Umsatz erreichen. Und das mit nur 2000 Mitarbeitern.“ 2014 und 2015 sollen dann die Jahre des großen Personalaufbaus für die neuen Standorte werden. „Ab 2015 greifen die Aufträge für die neuen Werke in vollem Umfang. Damit sind wir bis 2016 auf dem Weg in Richtung 1,5 Milliarden Euro.“
In den Planzahlen noch nicht enthalten ist das „enorme Potenzial“, das der 57-Jährige im Bereich Abgastechnik ausmacht. Dabei denkt Geisel, der das reine Elektroauto nicht für zukunftsfähig hält, unter anderem an neue Mix-Technologien zwischen dem herkömmlichen Verbrennungsmotor und dem Elektroantrieb. „Hinzu kommt, dass die Gesetzgebung bezüglich der Abgasnormen weltweit bei weitem noch nicht so streng ist wie in Europa und teilweise in Amerika. Asien und Südamerika werden hier nachziehen.“
Das Potenzial bei der Reduktion von Schadstoff- und Lärmemissionen sieht man auch bei der Europäischen Union in Brüssel – und vertraut dabei auf die Innovationskraft des Abgastechnik-Spezialisten: Vor wenigen Wochen gab die Europäische Investitionsbank (EIB) bekannt, dass sie ein entsprechendes Forschungsvorhaben des Unternehmens mit einem Darlehen in Höhe von 45 Mio. Euro unterstützt.
Über die Boysen-Gruppe
Die Boysen-Gruppe entwickelt und fertigt Blechkrümmer, Katalysatoren, Partikelfilter, Schalldämpfer und komplette Abgassysteme für Pkw, Nutzfahrzeuge und Off-Highway-Anwendungen. Zu den Hauptkunden zählen die deutschen Fahrzeughersteller Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW, die englischen Marken Bentley und Rolls-Royce sowie der Nutzfahrzeughersteller MAN.
Die Unternehmensgruppe beschäftigt aktuell rund 2000 Mitarbeiter an 13 Standorten im In- und Ausland. Neben dem Entwicklungs- und Verwaltungszentrum sowie dem Fertigungswerk in Altensteig verfügt Boysen über Produktionsstandorte in Simmersfeld, Heubach, Salching, Achim und Plauen sowie in Frankreich, Ägypten, Indien, China und in den USA.
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