Skoda Superb 1,4 TSI ACT Ambition: Mehr Sein und neuerdings auch Design

Tschechischer (T)Raumwagen

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Skoda füllt immer mehr die einstige Rolle der Muttermarke Volkswagen aus. Der neue Superb macht da keine Ausnahme. Preiswert, technisch up to date und mit viel Platz und netten Details, verkörpert er einen Volks-Wagen für gehobene Raumansprüche.

Testwagenfahrer Hartmut Hammer ist freier Mitarbeiter der KEM

Die dritte Version des großen Skoda macht richtig was her: waren die beiden Vorgänger eher bieder, wirkt der neue Superb schon von außen schick angezogen, mit klaren Sicken an der Seite und deutlich konturierten Schwellern. Dieses selbstbewusste Understatement setzt sich im Innenraum fort, dessen Materialien werthaltig und praktisch wirken.
Doch der Superb sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch gut an. Lenkrad, Schalthebel und die Bedienelemente machen einen soliden Eindruck, ihr Bedienkonzept kann die VW-Schule nicht verleugnen – klar, übersichtlich und ein Touchscreen mit seitlichen Funktionstasten als Anzeige- und Bedienzentrum. Klare Informationen bietet auch das Cockpit mit klassischen Rundinstrumenten und einem Display dazwischen. Bei der Fahrt unterstützen jetzt zahlreiche Assistenten den Fahrer. Sind in der Einstiegsvariante Active zumindest die City-Notbremsfunktion und der Berganfahrassistent Serie, so kommen in den höheren Modellen Abbiegelicht, Xenonleuchten mit dynamischem Kurvenlicht und das ACC hinzu.
Helfer wie der Fernlicht-, Spurhalte-, Spurwechsel- sowie Ein- und Ausparkassistent, die Müdigkeitserkennung und nicht zuletzt ein adaptives ACC samt Stop-and-Go-Funktion sind allerdings in allen Modellvarianten aufpreispflichtig, wie auch das schlüssellose Zugangssystem, die Dreizonen-Klimaanlage und die elektrische Heckklappenöffnung. Mit diesem Kniff kann Skoda die Grundmodelle recht preiswert anbieten. Wer allerdings seinen Superb nett ausstatten will, verlässt schnell die Sonderangebots-Zone. So ruft Skoda für den KEM-Testwagen als Grundpreis 28 290 Euro (inkl. MwSt) auf, mit Zusatzausstattungen bewegt er sich dann schon oberhalb von 35 000 Euro.
Flaggschiff und Raumschiff
Fahrer und Beifahrer sitzen in bequemen Sitzen mit genügend Seitenhalt. Der riesige Innenraum hat fast S-Klasse-Format, da merkt man, dass der Superb 5 cm mehr Radstand als der Plattformspender VW Passat hat und bewusst auch als Chauffeurlimousine konzipiert ist. Die Beinfreiheit im Fond ist schlichtweg enorm und es stehen eine separate Fond-Klimatisierung (Drei-Zonen-Klimaanlage), diverse Ablagen und zwei Andockstation an den Rückenlehnen der Vordersitze sowie eine Halterung an der Mittelarmlehne zur Verfügung. Dort lassen sich Tablets befestigen, von denen aus die Fondpassagiere per Mirror Link, Google Android oder Apple Car Play das ganze Infotainment des Superb bedienen und ins Internet gehen können. Auch das Smartphone lässt sich über diese Schnittstellen in das Superb-Infotainment integrieren, ein optionales LTE-Telefonmodul sorgt für Highspeed-Internet. Und wird das Tablet nicht mehr benutzt, kann es einfach senkrecht im Fach unter der Mittelarmlehne verstaut werden.
Stauraum satt gibt es auch hinter den Sitzen im Gepäckabteil unter der riesigen Heckklappe. Auf Wunsch lässt sich diese per Fußbewegung öffnen und per Knopfdruck schließen. Praktisch ist auch die per Seilzug ausfahrbare Anhängerkupplung, die per Fußtritt wieder unsichtbar unter den Stoßfänger geschickt wird. Einziges (Luxus-)Problemchen ist, dass man direkt hinter den Fondsitzen liegende Gegenstände kaum erreicht, wenn man sich nicht weit in den Kofferraum hineinlehnt – und dann eventuell die Hose am Stoßfänger verschmutzt.
Intelligent sparen
Und wie fährt sich der Superb? Gut, schon das Grundfahrwerk bietet einen gelungenen Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit, sodass der Kauf des erstmals optional erhältlichen DCC-Fahrwerks mit fünf Fahrmodi gut überlegt sein will. Auch der 1,4-l-Ottomotor ist variabel, denn im Schiebebetrieb und bei geringer Lastanforderung, etwa beim Dahinrollen auf einer ebenen Autobahn oder in der Stadt, schaltet die Motorsteuerung einfach zwei Zylinder ab. Die beiden restlichen „Töpfe“ laufen dann in günstigeren Kennfeldbereichen und sparen auf diese Weise in bestimmten Betriebsphasen bis zu 20 % Kraftstoff. Erst wenn der Fahrer beschleunigt (mehr als 100 Nm Drehmoment abruft) oder mit hoher konstanter Geschwindigkeit (etwa ab 130 km/h) fährt, wird der Zwei- wieder zum Vierzylindermotor. Dieses Wechselspiel zeigt der Superb im Display an, der Fahrer kann den Unterschied nicht hören. Im KEM-Test wurden zwar die nominell versprochenen 4,8 l/100 km nicht erreicht. Der tatsächliche gemessene Verbrauch von 6,1 l/100 km ist im Wettbewerbsumfeld dennoch als sehr gut zu bewerten.
Das liegt auch am zweiten Spareffekt der Zylinderabschaltung. Da im Schiebebetrieb nur noch die Pumpverluste von zwei Zylindern wirken, sinkt der Widerstand des Motors, und der Superb rollt viel leichter und damit weiter aus. Ein aufmerksamer Fahrer kann deshalb schon bei leichten Bergabpassagen und weit vor einer roten Ampel vom Gas gehen und somit ohne Kraftstoffeinspritzung rollen.
Wie überhaupt der Ottomotor des Testwagens dank Zylinderabschaltung und Turboaufladung den oft gelobten Eigenschaften des Dieselmotors (hohes Drehmoment, geringer Verbrauch) wieder ein Stück näher gekommen ist. Nimmt man die drehmomentgleiche (jeweils 250 Nm) Dieselmotorisierung des Superb 1,6 TDI zum Maßstab, wird der 1,4-l-Ottomotor exakt 700 € günstiger angeboten und konsumiert nicht so viel Kraftstoff mehr. Bei einem gleichzeitig sinkenden Preisunterschied an der Tankstelle dürfte da mancher Flottenmanager nachdenken, ob nicht vielleicht der Otto- dem Dieselmotor vorzuziehen wäre. Denn mit seiner Motorcharakteristik (Turboaufladung, 110 kW Leistung und 220 km/h Höchstgeschwindigkeit, Sechsgang-Schaltgetriebe, optional Doppelkupplungsgetriebe) eignet sich der Superb 1,4 TSI ACT allemal als Dienstwagen, selbst auf der Autobahn.
Taktisch klug positioniert Skoda den Superb auch ohne jeglichen Premium-Anspruch im Dienstwagensegment. Dadurch geht man bewusst den üblichen Verdächtigen a la Audi, BMW und Mercedes-Benz aus dem Weg, die vorzugsweise Vorstände, Prokuristen und Abteilungsleiter umwerben. Der Superb wendet sich ganz klar an die volumenträchtige mittlere Ebene, etwa Teamleiter und Außendienstmitarbeiter. Dort dürfte er mit seinem unschlagbaren Raumangebot, seiner funktionalen und ansehnlichen Art und seinem Preisbewusstsein der Favorit von etlichen Dienstwagenfahrern und Flottenmanagern werden.

Der Skoda Superb und seine Wettbewerber

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