Mercedes-Benz B 180 CDI: Hochwertiger Familienvan

Genmanipulation am Nachfolger

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Man lasse den doppelten Boden weg, schneidere ein ungewöhnliches Blechkleid, pflanze neue Motoren unter die Haube und gestalte den Innenraum neu. Fertig ist die Metamorphose der B-Klasse von Mercedes-Benz.

Der Autor und Testwagenfahrer Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

B-Klasse? Das war in den letzten Jahren der gemütliche Kompaktvan für Menschen, die einen Mercedes mit höherer Sitzposi- tion fahren wollten, denen die A-Klasse dann aber doch ein wenig zu klein und ein GLK oder ML zu groß und zu teuer waren. Offenbar gab es genügend dieser Kunden, denn im Kompaktvan-Segment behauptete sich die alte B-Klasse zum Schluss auf einem guten dritten Platz hinter dem Platzhirsch VW Touran und dem Opel Meriva.

Jetzt macht Daimler alles anders bei seinen Kompakten. Die A-Klasse wird demnächst zum kleinen Kurvenräuber und die B-Klasse soll seit November 2011 das Van-Konzept deutlich dynamischer darstellen. Ob es gelingt? Die Anlagen hat die B-Klasse jedenfalls dafür mitbekommen.

Der Weg zum jugendlichen Touch

Das fängt schon beim Design an. Flacher, länger, geduckter kauert die Karosserie auf der Straße. Mehrere Sicken streichen vom Kühler über die Motorhaube bis in die A-Säulen sowie die Seitenpartien entlang bis ins Heck. Ob diese etwas unmotiviert verteilten Kanten harmonisch wirken, bleibt Geschmackssache. Sie verleihen der B-Klasse aber ein nicht alltägliches Äußeres. Ebenso Fragen lässt die etwas isoliert wirkende Frontpartie offen, während das Heck hübsch gezeichnet ist.

Im Innenraum setzt sich das indifferente Design fort. Deutlich sichtbar sind die Bemühungen, aus der bisherigen Formensprache der Marke auszubrechen. Die Formen wirken frisch, die Lüftungsdüsen erinnern an den SLS, allerdings konterkarieren die Holzeinlagen den jugendlichen Touch. Das große zentrale Display erinnert an einen modernen Tablet-PC, wirkt auf der Instrumententafel aber wie nachträglich aufgesetzt.

Was soll’s, die B-Klasse hat die innere Größe, kleine stilistische Schwächen zu überspielen. Auf den Vordersitzen sitzt es sich in angenehm aufrechter Haltung sehr kommod, die Kopffreiheit und der Fußraum fallen üppig aus. Allerdings berühren breite Schultern schnell die nahe B-Säule. Auch die beiden äußeren Fondsitze laden zu längeren Reisen ein. Lediglich der nominell zugelassene fünfte Passagier in der Mitte der Fondsitzbank möchte schnell ans Ziel. Ihm hilft auch nicht, dass gegen Aufpreis von 565 € (alle Preisangaben ohne MwSt) eine um 14 cm längsverschiebbare Rücksitzbank zu ordern ist. Mit ihr wächst entweder der Fußraum im Fond oder der Laderaum von 486 auf 666 l Volumen. Klappt man die Fondsitze auch um, passen bis zu 1545 l Gepäck rein. Wem das noch nicht reicht, kann noch die Beifahrerlehne nach vorne klappen.

Ersatzrad ist passé

Im Ladeabteil verhilft ein variabler Ladeboden (gegen Aufpreis) bei umgeklappten Sitzen zu einer ebenen Ladefläche. Darunter erstreckt sich dann ein weiteres Fach mit sehr tiefem Boden. In dieser ehemaligen Reserveradmulde finden der Subwoofer, ein Tirefit-Reifenreparatursystem und allerlei Krimskrams Platz. Ein Ersatzrad ist nicht erhältlich, aber Runflat-Reifen.

Die Bedienung der neuen B-Klasse gestaltet sich erfreulich einfach. Der Fahrstufen-Wählhebel befindet sich griffgünstig hinter dem Lenkrad, dort befinden sich auch Paddles zum Schalten des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes. Das schafft zusammen mit der elektrisch betätigten Handbremse Platz für Ablagen und Armauflagen auf dem Mitteltunnel. Und für den Dreh-Drück-Steller des optionalen Comand-Bediensystems. Er führt durch gut gegliederte Menüstrukturen, man findet sich sehr gut zurecht. Ein Manko ist lediglich die sehr tiefe Position der Klimaregelung auf der Mittelkonsole. Das Drei-Speichen-Lenkrad wirkt aufgeräumt, ebenso wie das Cockpit mit seinen Rundinstrumenten dahinter. Alles tadellos.

Motor quer eingebaut

Zu Kritik gibt auch der Antriebsstrang wenig Anlass. Der 1,8-l-Dieselmotor ist vom bekannten Vierzylinder-Aggregat abgeleitet, wird aber in der B-Klasse erstmals quer eingebaut. Er gefällt durch eine angenehme Entfaltung des Drehmoments von 250 Nm und der Leistung von 80 kW. Damit macht er das fast 1,5 t schwere Fahrzeug zwar nicht zum Sportwagen, es reicht aber zum flotten Vorankommen. Dafür sorgt auch das von Daimler selbst entwickelte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das ohne merkliche Schaltpausen und fast immer zum (gefühlt) richtigen Zeitpunkt schaltet. Ein Start-Stopp-System unterbindet im Stand das nutzlose Verbrennen von Dieselkraftstoff. Wer das andauernde Aus- und Angehen des Motors nicht mag, braucht nur nicht ganz so fest auf das Bremspedal drücken.

Verbrauch: realisitische fünf Liter

Beim Kraftstoffkonsum hält sich der B 180 CDI angenehm zurück. Im Schnitt strömten während des KEM-Tests etwa 5,5 l Diesel/100 km durch die Magnetventil-Einspritzdüsen. Bei etwas Zurückhaltung kann eine Vier vor dem Komma stehen. Das kommt dann dem offiziellen NEFZ-Verbrauch von 4,4 bis 4,7 l (115 bis 122 g CO2/km) recht nahe.

Nicht ganz unschuldig an diesen guten Werten ist die Aerodynamik der Karosserie. Ein Luftwiderstand-Beiwert von Cw = 0,26 ist ein Wort. Mit einem später erhältlichen Eco-Technologie-Paket soll er dann sogar auf 0,24 sinken.

Weniger spektakulär ist das Fahrwerk der B-Klasse ausgefallen. Es bietet zwar ordentlichen Federungskomfort, wird von manchen aber schon als zu hart empfunden. Das optionale Sportfahrwerk dürfte daher nicht unbedingt erstrebenswert sein. Die elektromechanisch unterstützte Lenkung ist angenehm leichtgängig und verringert bei zunehmender Geschwindigkeit ihre Servounterstützung, um auf der Autobahn einen stabilen Geradeauslauf zu fördern. Gegen Aufpreis ist eine variable Lenkübersetzung erhältlich.

Überhaupt, die Sache mit den aufpreispflichtigen Optionen. Es gibt derer gar viele im B-Klasse-Prospekt. Beim Testwagen kosten beispielsweise das Comand-Bediensystem (3116 €), das Doppelkupplungsgetriebe (2164 €), der Parkassistent samt Rückfahrkamera (zusammen 1148 €) oder das Presafe-System (1666 €) extra. Hinzu kommen noch etliche Multimedia-Funktionen, die eben- falls gegen Aufpreis geordert werden können. Insgesamt waren Extras für etwa 15 400 € im Testwagen eingebaut, was den Gesamtpreis von 27 500 auf fast 43 000 € getrieben hat – für einen Kompaktvan! Jedoch ist die B-Klasse schon in der Grundversion reichhaltig ausgestattet ist. Das sind gute Anlagen für einen Verkaufserfolg. Ob die B-Klasse aber der von Daimler beworbene Sports Tourer ist, werden die Kunden entscheiden. Seine vielen angenehmen Eigenschaften sprechen doch eher Familien oder ältere Autofahrer an.

Daimler;

Telefon: 0711 17-0;

E-Mail: dialog@daimler.com


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