Ernst & Young-Studie „Connected Car“

Das Auto bleibt das liebste Kind

Das eigene Auto bleibt bis auf Weiteres das Fortbewegungsmittel Nummer eins
Anzeige
Der Wunsch nach einem eigenem Auto ist auch bei jungen Verbrauchern ungebrochen. Motorstärke, Design und Markenimage bleiben wichtige Kaufargumente. Die Integrierte Kommunikation im Auto gewinnt an Bedeutung. Das sind Ergebnisse der Studie „Connected Car“, die Ernst & Young durchgeführt hat.

Deutsche Verbraucher legen auch in Zukunft größten Wert darauf, uneingeschränkt mobil zu sein. Und dafür wollen sie weiterhin bevorzugt auf das eigene Auto zurückgreifen. Obwohl immer mehr Menschen Car-Sharing-Angebote attraktiv finden, kommt der Verzicht auf das eigene Auto nur für eine Minderheit infrage. Das Auto der Zukunft soll günstig im Verbrauch und sicher sein, aber auch sportlich und mit attraktivem Design. Um konkurrenzfähig zu bleiben und sich vom Wettbewerb abzuheben, müssen Automobilhersteller aber noch mehr bieten: Vernetzte Kommunikationsangebote im Auto gewinnen an Bedeutung – vor allem im Navigations-, zunehmend aber auch im Entertainment-Bereich.

Zudem könnte auch die vom Menschen unabhängige Kommunikation zwischen Fahrzeugen, die ein deutliches Plus an Sicherheit und Komfort verspricht, zu einem Massenmarkt werden. Bis dahin sind jedoch noch massive Investitionen nötig, welche die Automobilindustrie und die Telekommunikationsanbieter nur gemeinsam stemmen können. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Für diese Studie wurden im Januar 2012 in Deutschland 2000 Personen befragt.
Ständig mobil – aber bitte im eigenen Auto!
Die deutschen Verbraucher haben die Lust am Autofahren nicht verloren: Auch junge und per Smartphone digital bestens vernetzte Autofahrer wollen aufs eigene Auto nicht verzichten: Für 68 Prozent der Bundesbürger ist es sehr wichtig, ein eigenes Auto zu besitzen. Unter den jüngeren Befragten liegt der Anteil mit 65 % nur leicht darunter – was in erster Linie den Lebensumständen geschuldet sein dürfte. Bereits in der Gruppe der 35- bis 45-Jährigen ist der Wunsch nach einem eigenen Auto mit 72 % überdurchschnittlich hoch.
Der Wunsch, ein eigenes Auto zu besitzen, geht einher mit einem ausgeprägten Mobilitätsbedürfnis: Für 74 % der Bundesbürger ist uneingeschränkte Mobilität wichtig oder sehr wichtig. In der jüngeren Generation (18 bis 35 Jahre) liegt der Anteil sogar bei 85 %.
„Es wird immer wieder behauptet, dass bei jüngeren Leuten ein Einstellungswandel stattfinde – weg vom eigenen Auto, hin zu modernen Mobilitätsangeboten wie Car-Sharing“, so Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young. „Die Befragungsergebnisse stützen diese These aber nicht: Das eigene Auto bleibt bis auf Weiteres das Fortbewegungsmittel Nummer eins.“
Auch flächendeckende Car-Sharing-Angebote könnten die meisten Verbraucher wohl nicht dazu verleiten, aufs eigene Auto zu verzichten: Nur jeder neunte Befragte kann sich vorstellen, komplett umzusteigen, wenn flächendeckende Angebote verfügbar wären. Immerhin: Jeder zweite würde Car Sharing nutzen – allerdings zusätzlich zum eigenen Auto.
Auch dass das Auto als Statussymbol ausgedient haben soll und Faktoren wie Design und Sportlichkeit eine immer geringere Rolle spielen, hält Fuß für ein Gerücht: „Kriterien wie Motorstärke, Design und Markenimage spielen für jüngere Autofahrer eine überdurchschnittlich große Rolle.“ So ist im Durchschnitt für 63 % der Befragten eine hohe PS-Zahl ein wichtiges Kaufkriterium – bei den 18- bis 35-Jährigen liegt der Anteil bei 67 %, bei den Smartphone-Besitzern sogar bei 73 %. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Faktor Design, der im Durchschnitt der Altersklassen für 60 % von Bedeutung ist, bei den jüngeren Befragten aber für 75 %. Die Marke spielt im Durchschnitt nur für 50 % eine Rolle, während jüngere Verbraucher zu 56 % und Smartphone-Besitzer sogar zu 61 % darauf achten.
Fuß fasst zusammen: „Das Thema Mobilität wird weiter an Bedeutung gewinnen – und dafür gibt es aus Sicht der Verbraucher kaum ein besseres Hilfsmittel als das eigene Auto.“ Eine Abkehr vom eigenen Auto sei zumindest derzeit kein Thema. Fuß ergänzt: „Klassische Kaufkriterien wie Qualität, Design, Verbrauch oder ein kräftiger Motor bleiben von großer Bedeutung. Der Kunde sieht darin zwar oft eine Selbstverständlichkeit, doch die Industrie sollte nicht den Fehler begehen, bei zukünftigen Produktentwicklungen diese Aspekte zu vernachlässigen. Auch in 20 Jahren werden schnelle und schöne Autos einen großen Reiz auf die Menschen ausüben.“
Hohe Anforderungen an das Auto der Zukunft
Zurücklehnen können sich die Automobilhersteller auch aus anderen Gründen nicht: „Die jungen und smarten Verbraucher der Zukunft wollen nicht nur uneingeschränkt mobil sein, sondern auch immer erreichbar – auch und gerade im Auto“, ergänzt Holger Forst, Partner bei Ernst & Young. 82 % der jüngeren Befragten (alle Befragten: 70 %) legen Wert auf ständige Erreichbarkeit. In steigendem Maß wird dazu ein Smartphone benutzt – knapp jeder dritte Befragte besitzt eines, in der jüngeren Generation liegt der Anteil sogar bei über 50 %. Jeder Zehnte in dieser Generation gibt bereits an, permanent online zu sein. „Das Web wird zum ständigen Begleiter“, so Forst.
Was bedeutet das aber für das Auto der Zukunft? Die Richtung ist klar: Kommunikationsmittel müssen vielfältiger und besser in die Fahrzeuge integriert werden. Bereits heute achten 39 % der Befragten auf integrierte Kommunikationselemente im Auto, bei den Smartphone-Besitzern sind es sogar 52 %. „Bedenkt man, dass integrierte Kommunikationsangebote noch in den Kinderschuhen stecken, ist das ein sehr hoher Anteil. Er wird rasant steigen, sobald sich die Kunden besser vorstellen können, was alles möglich ist“, erwartet Forst. Fuß geht noch weiter: „In Zukunft wird die Frage, ob attraktive Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten perfekt in die Fahrzeuge integriert sind, zunehmend über Erfolg und Misserfolg von Autoherstellern entscheiden.“
Konkret wünschen sich die Verbraucher derzeit in erster Linie Angebote, die direkt auf die Mobilität bezogen sind: Drei Viertel der Befragten
interessieren sich für intelligente Fahrassistenten, beinahe ebenso viele (72 %) legen Wert auf vernetzte Navigation, die beispielsweise auf aktuelle Staumeldungen oder Wetterwarnungen reagiert. Jeder Zweite will Hotels oder Restaurants bequem im Fahrzeug ausfindig machen und buchen. Doch auch Entertainment-Angebote im Wagen spielen eine Rolle: 38 % wünschen sich in Zukunft solche Angebote, jeder Dritte (32 %) kann sich eine Vernetzung des Autos mit seiner Wohnung gut vorstellen. „Obwohl es bislang kaum entsprechende Angebote gibt – der Bedarf ist eindeutig da. Von den Smartphone-Nutzern wünscht sich bereits jeder zweite künftig Entertainment im eigenen Wagen“, so Forst.
Große Herausforderungen für die Industrie
„Die junge Generation ist sehr offen für vernetzte Angebote. Automobilhersteller und Telekommunikationsdienstleister tun gut daran, mit Hochdruck an entsprechenden Lösungen zu arbeiten“, so Forst. Die echte Revolution im vernetzten Auto erfolge aber an anderer Stelle – in der Kommunikation zwischen den Autos. „In der sogenannten Car-to-Car-Kommunikation werden ohne Zutun des Fahrers Informationen zwischen den Autos übermittelt“, erläutert Forst. „Das kann Unfälle und Staus betreffen, aber auch Gefahrenstellen wie Glatteis. Das Autofahren wird so sicherer, komfortabler und effizienter.“ Obwohl sich die Car-to-Car-Kommunikation erst in der Entwicklung befindet, wünscht sich bereits jeder zweite Autofahrer entsprechende Fahrhilfen.
Solche Dienste erfordern allerdings erhebliche Investitionen – unter anderem in den Ausbau der Datennetze. „Das Datenvolumen, das bei einer flächendeckenden Vernetzung der Autos untereinander anfiele, wäre mit den heutigen Netzen nicht zu bewältigen“, betont Forst. Daher müsste parallel zur Entwicklung der entsprechenden Soft- und Hardware im Fahrzeug an einem massiven Ausbau der Daten-Infrastruktur gearbeitet werden – laut Forst ein „finanzieller Kraftakt, den weder die Auto- noch die Telekommunikationsbranche alleine stemmen kann“. Kooperationen zwischen Anbietern aus verschiedenen Branchen seien daher das Gebot der Stunde, ergänzt Fuß: „Die Telekommunikationsanbieter verfügen über das nötige Know-how für integrierte Kommunikation im Auto. Die Autoindustrie sollte sich also rechtzeitig gute Kooperationspartner sichern.“
Wer zahlt? Problem Kostenloskultur
Allzu viel bezahlen wollen die Befragten für die Kommunikationsangebote der Zukunft allerdings nicht. Jeder dritte gibt an, nur kostenfreie Angebote nutzen zu wollen, 21 % würden eine Flatrate in Kauf nehmen, bei der keine sichtbaren Zusatzkosten entstehen. „Viele Verbraucher sind an die Kostenloskultur im Web gewöhnt und tun sich schwer damit, für die Vernetzung ihrer Autos Zusatzkosten zu akzeptieren“, fasst Forst zusammen.
„Innovative Zahlungsmodelle sind gefragt“, stellt Forst daher fest. Er erwartet, dass Autokäufer zukünftig ihr Auto inklusive smarter Angebote erwerben werden. Die Kostenabrechnung könnte dann zwischen Autohersteller und Telekommunikationsanbieter erfolgen. „Auch an dieser Stelle liegt die Lösung wohl in der Kooperation zwischen Automobilherstellern und Telekommunikationsdienstleistern. Sie müssen eng zusammenarbeiten – und ihre Entwicklungs- und Investitionskosten dann gemeinsam über die Autopreise refinanzieren.“
Ernst & Young; Telefon: 0711 9881-27412;
Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Titelbild AutomobilKONSTRUKTION S5
Ausgabe
S5.2019
LESEN
ARCHIV
ABO

Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Whitepaper aller unserer Industrieseiten

Video-Tipps

Unser aktueller Video-Tipp: 100 Jahre BMW

Weiterbildung

Weiterbildungsangebote für den Konstruktions- und Entwicklungsingenieur

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de