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Kfz-Testbericht: Audi A1 1.2 TFSI – der Ehrgeizige unter den Kleinen
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Audi entwickelt sich weiter in Richtung Vollsortimenter. Der neue A1 soll im Revier von Mini, Fiat 500 & Co. wildern. Im Unterschied zu diesen gibt sich der kleine Audi aber ziemlich erwachsen – nicht nur bei Technik und Ausstattung, sondern auch beim Preis. Unser Testbericht zieht Parallelen zu VW Käfer und zum Polo.

Der Autor und Testwagenfahrer Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

Fangen wir mit der Schokoladenseite des neuen Audi-Kleinwagens an: dem Motor. Für seine gerade mal 1,2 l Hubraum wirkt der Ottomotor erstaunlich erwachsen. 160 Nm Drehmoment sind in dieser Hubraumklasse ein Wort und fast auf dem Niveau eines Dieselmotors. Dazu ist das Aggregat erstaunlich munter und hängt agil am Gas – man fällt zu keiner Zeit in das früher berühmt-berüchtigte Turboloch. Der Motor zieht sauber hoch und bleibt auch bei höheren Drehzahlen sehr laufruhig. Lobenswert!
Akustisch und haptisch bemerkbar macht sich das Aggregat eigentlich nur beim Start. Dieses Ereignis tritt häufiger auf, haben die Techniker dem Antrieb doch eine Start-Stopp-Regelung spendiert. Im Stand und bei Leerlauf schaltet sich der Motor ab, um dann beim Einlegen eines Ganges zuverlässig wieder anzuspringen. Die Start-Stopp-Regelung trägt auch ihren Teil dazu bei, dass der A1 im KEM-Test nur 5,8 l Ottokraftstoff konsumierte. Damit lag A1 zwar etwas über dem Normwert von 5,1 l, gehört aber zu den sparsamsten Ottomotoren in der KEM-Testhistorie.
Vergleich zu Polo und Käfer
Wie sehr sich der Motorenbau entwickelt hat, verdeutlicht die Gegenüberstellung des feinen 1,2-l-Aggregats im Audi A1 mit dem legendären 1,2-l-Motor des früheren VW Käfer. Dieses von 1954 bis 1985 gebaute Boxer-Aggregat hatte zunächst 22 kW, ab 1960 dann 25 kW-Leistung. Die 63 kW im Audi A1 zeigen, was moderne Technik (zum Beispiel elektronisch geregelte direkte Einspritzung, Turboaufladung) zu leisten vermag. Auch der Drehmoment-Vergleich von 75 (Käfer) zu 160 (A1) Nm spricht Bände. In anderen Modellen des VW-Konzerns – etwa im VW Polo – darf das Reihenvierzylinder-Motörchen sogar 77 kW und 175 Nm leisten.
Entsprechend fallen auch die Fahrleistungen aus. Der A1 beschleunigt nominell in 11,7 s auf Tempo 100 und läuft 180 Spitze. Geradezu archaisch muten da die Käfer-Werte mit 30 s und 120 km/h Höchstgeschwindigkeit an. Dieser Fortschritt ist auch noch mit einem viel geringeren Kraftstoffverbrauch (nominell 5,1 l Superkraftstoff im A1 zu 9,0 l Normalbenzin im Käfer) verbunden. Welch ein Unterschied innerhalb von 30 bis 50 Jahren!
Kampfgewicht: 1115 kg
Was sich leider auch geändert hat, ist das Kampfgewicht der Fahrzeuge. Mit 1115 kg Normgewicht ist der A1 nicht nur gut 250 kg schwerer als der selige Käfer, sondern bewegt sich auch im Wettbewerb der 4-m-Kleinwagen nur im Mittelfeld. Okay, dafür sind die Fahrdynamik und der Fahrkomfort des A1 um Welten besser als beim VW Käfer und immer noch sehr gut im Vergleich zu den Wettbewerbern. Der A1 rennt wie an der Schnur gezogen über Geraden und durch Kurven, bremst mit genügend Biss ab und erweist sich als erstaunlich handlich. Sein Sportfahrwerk ist wegen ungebührlicher Härte nicht zu empfehlen. Die serienmäßige Fahrwerksabstimmung ist deutlich rückenschonender, ohne den A1 gleich in einen wankelmütigen Bruder zu verwandeln.
Wankelmütig war die KEM-Testredaktion bei der Frage, ob der generell nur zweitürige A1 eher ein Vier- oder 2+2-Sitzer ist. Denn so opulent und komfortabel Fahrer und Beifahrer residieren, so beengt fühlen sich die beiden Fondpassagiere – so sie denn überhaupt den beschwerlichen Einstieg nach hinten wagen. Kopf- und Kniefreiheit? Fremdwörter, stattdessen drangvolle Enge. Der A1-Eigner tut gut daran, die Fondsitzbank umzuklappen und so das ebenfalls überschaubare Kofferraumvolumen von 270 l auf 920 l zu erweitern. Damit gelingt der Urlaub zu zweit ebenso wie der Großeinkauf. Die „nur“ 380 kg Zuladung tun in diesem Fall nicht weh, auch wenn es sich zunächst etwas wenig anhört.
Hilfreiche Assistenten
Assistenten sind dazu da, um dem Fahrer das Leben zu erleichtern. Das macht beispielsweise der Fernlichtassistent. Er schaltet das Fernlicht abhängig von Umgebungseinflüssen automatisch ein oder aus. Oder der Berganfahrassistent. Beim Anfahren an Steigungen gilt folgendes: Wenn der Fahrer die Fußbremse einige Sekunden gedrückt hält, wird ein Zurückrollen an Steigungen verhindert. Beim Lösen der Bremse bleibt die Bremswirkung einen kurzen Moment erhalten. Währenddessen kann ohne Stress angefahren werden.
Klimaanlage nicht serienmäßig
Auf dem Fahrer- und Beifahrersitz dürfen sich die A1-Passagiere über die gewohnte Audi-Qualität freuen. Solide Materialien, erstklassige Verarbeitung, die Anzeigen sind genauso problemlos ablesbar wie die Bedienelemente bedienbar. Wem dies noch nicht genügt, darf sich in der ellenlangen Liste mit Sonderausstattungen austoben. Farbige Manschetten für die Luftausströmer, in Kontrastfarbe lackierte Dachbögen oder auch belederte Interieur-Elemente sollen der Individualisierung dienen und sind ein Tribut an die Ausstattungsvielfalt der Wettbewerber Mini und Fiat 500. Leider nicht serienmäßig an Bord sind eine Klimaanlage, ein Reifendruck-Kontrollsystem oder auch ein Fahrer-Informationssystem. Wer eine andere Außenfarbe als Schwarz oder Weiß will, muss ebenfalls zusätzlich in die Tasche greifen. Diese Preispolitik einer möglichst günstigen Basisvariante (der KEM-Testwagen kostet „nackt“ 15 800 €) sorgt für Verdruss, wenn für einige – keinesfalls abgehobene – Sonderausstattungen plötzlich nochmals die Hälfte der Grundpreises aufgebracht werden muss. Letztendlich kam der Testwagen auf 24 570 €. Premium war eben schon immer etwas teurer, selbst in der Kleinwagenklasse.
Was man dafür erhält? Einen sehr gut gemachten und geräumigen Zweisitzer, dessen Motor und Fahrdynamik voll überzeugen. Wer mehr Platz für weniger Geld will, sollte zum teilweise baugleichen Bruder VW Polo greifen. Wer sein Auto lieben will, wird mit einem Mini oder Fiat 500 glücklicher. Der A1 wirkt hingegen technokratisch kühl – er ist der ehrgeizige Streber in der Kleinwagen-Klasse.
Audi;
Telefon: 0841 89-0;
E-mail: kundenbetreuung@ audi.de

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