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Audi Q3 2.0 TDI: Ein SUV für die Stadt
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Wer ein kompaktes Auto fahren möchte, aber sich über das übliche Golf-, Astra-, Focus-Einerlei hinaus abheben will, dem sei der Audi Q3 empfohlen. Der bisher kleinste Audi-SUV macht innen und außen ordentlich was her, lässt sich das gewisse Etwas aber auch bezahlen.

Der Autor und Testwagenfahrer Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

SUV werden oft als spritfressende Dinosaurier gebrandmarkt. Kein Wunder, dass die Automobilhersteller mit Volldampf kleine SUV auf den Markt bringen, die vorzugsweise mit kleinem Diesel-Durst dieses Image nachhaltig widerlegen. Dem Kunden gefällt und er honoriert es, denn Nissan Qashqai, Ford Kuga, VW Tiguan und Co. verkaufen sich wie geschnitten Brot. Das weckt natürlich auch bei den Premiumanbietern Begehrlichkeiten, zumal sie wachsen und neue Fahrzeugsegmente erschließen wollen. Als erster hat BMW mit dem X1 einen kompakten SUV auf den Markt gebracht, der Fahrbericht erschien in der Septemberausgabe 2010 der KEM. Im Herbst 2011 ist Audi mit dem Q3 nachgezogen und Mercedes-Benz hat einen kleinen SUV ebenfalls angekündigt. Kompakt-SUV sind ein boomendes Marktsegment.

Wie im Volkswagen-Konzern üblich, stammt der Q3 aus dem Konzernbaukasten. Will heißen, wesentliche Techniken wie Fahrwerk, Antrieb und elektromechanisch unterstützte Lenkung versehen auch schon im VW Tiguan ihren Dienst. Hinzu kommt, dass der Q3 nicht in einem Audi-Werk, sondern im spanischen Martorell bei Seat gefertigt wird. Auf den dortigen Anlagen können etwa 100 000 Q3 pro Jahr vom Band laufen.

Innenraum vom Feinsten

Technikspender VW Tiguan und Produktion bei Seat heißt aber noch lange nicht, dass der Q3 kein „echter“ Audi ist. Wer angenehm eben einsteigt, wird vom gewohnt sehr hochwertigen Audi-Interieur umgeben. Oberflächen-Qualität, Finish, Passqualität – alles stimmt. Im Innenraum setzt Audi seit vielen Jahren den Maßstab in der Klasse. Nur sehr wenige Automobilhersteller bieten die unterschiedlichen Materialien in dieser Verarbeitungsqualität den Kunden an.

Drei Stoff- und vier Ledervarianten stehen zur Auswahl, dazu fünf Farbkonzepte und vier unterschiedliche Dekoreinlagen. Natürlich vieles gegen Aufpreis, ebenso wie ein Panorama-Glasdach, ein Navigationssystem mit MMI-Bedienkonzept und klappbarem 7-Zoll-Monitor auf der Armaturentafel, Internetanbindung per WLAN, ein Bose-Soundsystem mit 14 Lautsprechern, oder eine Ambiente-Beleuchtung. Mit allerlei weiteren edlen Zutaten ausgestattet (unter anderem Alu-Räder, Einparksystem und Assistenzsystemen) schnellte der Grundpreis des KEM-Testwagens von knapp 30 000 auf mehr als 42 000 € hoch.

Dann ist aber noch kein Allradantrieb an Bord, der erst für die stärkeren Aggregate (2.0 TDI mit 130 kW, 2.0 TFSI mit 125, beziehungsweise 155 kW) angeboten wird. Was soll’s, auch mit dem kleinen 2.0 TDI und 103 kW Leistung geht der Q3 flott zur Sache. Der dieseltypische Durchzug (nur sehr kleine Turbo-Gedenksekunde bei niedrigen Drehzahlen, dann enormer Schub bis etwa 4 000 min-1) sorgt für standesgemäßes Fortkommen, die Höchstgeschwindigkeit von etwas mehr als 200 km/h reicht auch mehr als gut für die Autobahn. Das andere Extrem, den Ausritt ins Gelände, sollte man sich trotz der etwas größeren Bodenfreiheit im Vergleich zum Audi A3 gut überlegen.

Kräftiger und sparsamer Dieselmotor

Da aber die weitaus meisten Q3-Fahrer nicht ins Gelände gehen, ist auch der fehlende Allradantrieb kein Handicap. Im Gegenteil, im Vergleich zum hubraumgleichen, aber stärkeren Allrad-Dieselmodell ist das 103-kW-KEM-Testfahrzeug mit nominell 5,2 l Diesel pro 100 km 0,7 l sparsamer. Dass der tatsächliche Alltagsverbrauch nach 2700 km Fahrstrecke – meist auf der Autobahn – und einer respektablen Durchschnittsge- schwindigkeit von 84 km/h bei 6,0 l lag, ist im Rahmen des Üblichen und sogar ein klein wenig besser als der Spritkonsum von 6,2 l des Wettbewerbers

BMW X1 während seines Einsatzes in der KEM-Redaktion. Allerdings erreicht der 2-l-TDI-Motor nicht ganz die Laufruhe des BMW-Aggregats. Immerhin gibt er dank eines Start-Stopp-Systems im Stand Ruhe, auch wenn er sich beim Wiederanlassen etwas unwillig schüttelt.

Wenn ein Kunde mehr Leistung und Drehmoment wünscht, dann sollte er zum Motor mit 130 kW Leistung greifen. Für knapp 7 000 € gibt es dann den Q3 mit Allradantrieb, Automatikgetriebe und noch mehr Dampf unter der Motorhaube. In einem A4 Avant machte dieser Motor auch einen etwas kultivierteren Eindruck als der Selbstzünder mit 103 kW Leistung.

Fahrdynamik: sportlich

Auf hohem Niveau bewegt sich aber die Fahrdynamik des Q3. Trotz Vorderradantrieb lässt er sich ähnlich leichtfüßig wie der X1 in die Kurven werfen, die elektromechanisch unterstützte Lenkung reagiert spontan. Auch am Federungskomfort gibt es nichts auszusetzen – wenn man weiß, dass ein Audi eher sportlich straff abgestimmt ist.

„Sportlich“ ist auch das Attribut für den optischen Auftritt des Q3. Geduckt steht er auf großen Rädern und nach hinten fällt das Dach relativ früh ab. Radläufe und Schweller in Kunststoffoptik sorgen für den gezielten Schuss Rustikalität. Diese flotte Karosserieform hat jedoch den Nachteil, dass die Platzverhältnisse lange nicht so üppig sind, wie es der stämmige Auftritt des Q3 vermuten lässt. Immerhin, auf den Vordersitzen sitzt man sehr kommod. Allerdings gibt es für die Knie- und Kopffreiheit im Fond nur noch ein „ausreichend“ und drei Kindersitze nebeneinander sind nicht möglich.

Lifestyle statt Nutzwert

Vollends unpraktisch wird es aber, wenn man die Heckklappe öffnet. Erstens ist die Öffnung nicht besonders groß und verwehrt sperrigen Gütern damit den Einlass. Zweitens muss man das Gepäck über eine recht hohe Ladekante wuchten und kann es dann nicht bis an die Lehnen der Vordersitze schieben, da die umgeklappten Rücksitze eine unschöne Stufe bilden. Diesen Malus bügelt ein doppelter Ladeboden aus, allerdings verhindern die umgeklappt etwas schrägen Rücksitzlehnen eine völlig ebene Ladefläche. Drittens ist die geteilte Hutablage starr an der Karosserie, beziehungsweise an der Heckklappe angebracht. Schon beim Einladen und Transport eines Kinderfahrrads mit 16-Zoll-Rädern müssen beide Teile der Hutablage entfernt werden. Im Heck hat Audi eindeutig den Nutzwert zugunsten des Designs geopfert.

Ansonsten bleibt wenig zu meckern. Sicher, die Bedienung des Klimageräts sitzt zu tief und zu dicht hinter dem Schalthebel und das Bedienkonzept des Infotainmentsystems ist etwas langatmig. Hinzu kommt die schlechte Sicht nach (schräg) hinten, die eine Einparkhilfe (Aufpreis 780 €) zur Pflicht macht. Auf der anderen Seite kann der Interessent aus einer langen Liste von Assistenzsystemen (wie etwa Spurwechsel, Spurhalten, Abstands-Tempomat, Verkehrsschilder-Erkennung) wählen und in bester Audi-Manier das Fahrzeug sehr variantenreich veredeln. Er hat dann ein schick aussehendes, wenn auch nicht unbedingt praktisches Fahrzeug.

Audi, Tel.: 0800 28 347 378 423, E-Mail:kundenbetreuung@audi.de


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