Löwenzahnkautschuk kommt erstmals in Nutzfahrzeugen zum Einsatz Reifen und Lager aus Kaninchenfutter - AutomobilKONSTRUKTION

Löwenzahnkautschuk kommt erstmals in Nutzfahrzeugen zum Einsatz

Reifen und Lager aus Kaninchenfutter

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Eine technische Revolution, jetzt auch für Nutzfahrzeuge: Continental präsentiert erstmals Komponenten und Reifen für Lkw und Busse, die aus einem Naturkautschuk aus der Löwenzahnwurzel gefertigt wurden. Damit hat das Kaninchenfutter das Potenzial, als Nutzpflanze zu einer alternativen, umweltfreundlichen und nachhaltigen Rohstoffquelle entwickelt zu werden.

Erstellt aus Unterlagen der Continental AG

Auf der IAA Nutzfahrzeuge hat Continental der Öffentlichkeit erstmals Lkw-Reifen aus dem innovativen und nachhaltigen Löwenzahnkautschuk vorgestellt. Es handelt sich dabei um Conti-EcoPlus-HD3-Reifen, die im Sommer 2016 hergestellt wurden. Außerdem zeigte das Unternehmen den Prototypen eines Motorlagers, das Antriebsaggregat und Fahrgestell verbindet. Es isoliert den Körperschall des Motors und erhöht damit den Fahrkomfort und die Sicherheit für den Fahrer. Als weiteren Prototypen präsentierte Continental erstmals ein Gelenkwellenzwischenlager aus dem neuen Material mit dem Namen Taraxagum. Es stabilisiert und minimiert die Schwingungsübertragung in das Fahrgestell.
Löwenzahn hat das Potenzial, als Nutzpflanze zu einer alternativen, umweltfreundlichen Rohstoffquelle entwickelt zu werden, und könnte so helfen, die Abhängigkeit von herkömmlich produziertem Naturkautschuk zu senken. Dieser wird bislang ausschließlich in Kautschukbaumplantagen in den Regenwaldgebieten der Erde gewonnen – dem sogenannten Kautschukgürtel. Die Nachfrage ist groß, doch der Anbau ist langwierig und die ökologischen Folgen sind immens. Der Transport führt den Rohstoff oft um die halbe Welt, ist aber zurzeit noch alternativlos.
Das dürfte sich ändern, wenn Naturkautschuk mit mindestens gleichen Leistungseigenschaften künftig auch aus der Löwenzahn-Wurzel gewonnen wird. Denn anders als Kautschukbäume kann er unter moderaten Klimabedingungen und damit direkt an Produktionsstandorten weltweit wachsen. Zudem gedeiht Löwenzahn selbst auf nährstoffarmen, kargen Böden, die nicht wirtschaftlich für andere Feldfrüchte genutzt werden können. Ein Anbau der Pflanze träte nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion, und bislang unbrauchbare Brachflächen könnten wieder genutzt werden.
Vielversprechende Tests in der Schwingungstechnik
Bereits 2014 hatte Continental das erste Muster eines Premium-Winterreifens mit einem Laufstreifen aus reinem Löwenzahnkautschuk auf die Straße gebracht. Im selben Jahr wurden die Planungen für die Produktion des ersten Nutzfahrzeugreifens aufgenommen, der mit 20 bis 25 kg nochmal deutlich mehr Naturkautschuk benötigt als ein Pkw-Reifen mit einem bis drei Kilogramm. Ende 2015 testete Contitech den neuen Rohstoff auch für die Schwingungstechnik. „Wir verlangen vom Naturkautschuk andere Eigenschaften als unsere Reifenkollegen“, erklärt Dr. Anna Misiun, die bei Contitech die Aktivitäten zum Thema Löwenzahnkautschuk leitet. „Unsere Produkte müssen beispielsweise sehr große dynamische Belastungen auch bei hohen Temperaturen aushalten.“
Die Tests der Lkw-Reifen und Schwingungselemente aus Taraxagum sind vielversprechend und zeigen: Die Alternative zum traditionellen Naturkautschuk eignet sich hervorragend für den Nutzfahrzeugbereich und erfüllt die hohen Anforderungen im anspruchsvollen Güterverkehr. Der neue Taraxagum-Kautschuk soll in fünf bis zehn Jahren in die Produktion gehen und schrittweise in die Produkte einfließen.
Die Industrialisierung des Löwenzahnkautschuks Taraxagum ist ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt von Continental mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, dem Julius-Kühn-Institut, einer Bundesforschungseinrichtung für Kulturpflanzen, sowie dem Pflanzenzuchtexperten Eskusa.
Continental AG, Hannoverwwww.contitech.de
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