Digitalisierung in der Automobilindustrie

Das vernetzte Fahrzeug als Entwicklungschance

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Das Internet of Things verändert unser Leben. Städte, Häuser, Autos – alles wird smart und vernetzt. Kommunen und Unternehmen der Automobilbranche stehen vor neuen Herausforderungen, aber auch ungeahnten Chancen. Wer weiterhin erfolgreich agieren will, muss neue Geschäftsmodelle und Lösungen für die urbane Mobilität entwickeln.

Der Autor: Hartmut Hammer, im Auftrag des VDI

Wie groß und vielversprechend der Zukunftsmarkt für die digitalisierte Mobilität ist, erläuterte Andreas Mai, bis vor kurzem Director Smart Connected Vehicles bei Cisco Systems, auf der Konferenz „Smart Cars & Urban Mobility“ des VDI-Wissensforums. Bis zum Jahr 2025 könnte die Nachfrage nach intelligenten Assistenzsystemen und nach maßgeschneiderten Transportlösungen auf jeweils mehr als 1,2 Billionen Dollar anwachsen. Begleitende mobile Dienstleistungen könnten im gleichen Zeitraum ein Umsatzvolumen von bis zu 900 Milliarden Dollar erreichen. Insgesamt dürften sich digitale automobile Lösungen bis 2025 zu einem Markt von annähernd 5 Billionen Dollar entwickeln.
Da die Digitalisierung des Mobilitätssektors weit über den eigentlichen Verkehrssektor hinaus reichen wird, müssen auch die vernetzten Systeme hoch integrativ angelegt sein. Beispielsweise konzipiert Bosch nach Angaben von Rainer Kallenbach, CEO der Bosch Software Innovations GmbH, eine umfassende IoT Cloud, deren Middleware, Services und Applikationen eine nahtlose und weltweite Nutzererfahrung bieten sollen – bei voller Safety, Security, Konsistenz und Nutzerfreundlichkeit. So arbeitet man an Softwarekomponenten, der Systemintegration und einem Partnernetzwerk für einen künftig barrierefreien Zugang zu fast allen Ladesäulen – ohne Grundgebühren, Vertragsbindung und mit intuitiver Bedienung.
Sicherheit und Datenschutz als Herausforderung
Standardisierte mobile Services wie das Aufladen der Fahrzeugbatterien sind – ähnlich wie beim Auftanken und Bezahlen von fossilen Kraftstoffen – aber nur möglich, wenn sich die Industrie auf weltweit gültige Standards einigen kann, betont Volker Fricke, Technical Relations Executive Europe der IBM Deutschland R&D GmbH. Denn der steigende Vernetzungs- und Kooperationsgrad des Ökosystems „Mobilität“ erfordert dringend standardisierte Lösungen – nicht nur bei der Ladetechnik. Genauso wichtig erscheint ein durchgängiger Sicherheitsansatz, der Hackern den Zugriff auf Daten so schwer und die Systeme gegen Störungen so robust wie möglich macht. Eine solche Sicherheitsarchitektur für die Vernetzung werde aber die Fahrzeugarchitekturen und cloudbasierten IT-Strukturen tiefgreifend beeinflussen, weshalb es nötig sei, dass alle Beteiligten die Herausforderungen gemeinsam angehen.
Bei der durchgängigen Vernetzung kommt dem Zugangssystem in das Fahrzeug im wahrsten Sinne des Wortes eine Schlüsselrolle zu. Nachdem der mechanische Schlüssel bereits sukzessive von einem elektronischen Zugangssystem abgelöst wird, steht als nächstes dessen Ausbau zu einem multifunktionalen Device auf der Agenda. Vodafone, Deutsche Telekom und Bearing Point unterstützen dabei OEMs laut Robert Knechtel (Bearing Point) bei der Entwicklung von Lösungen, die auf Basis eines Smartphones mit NFC-Funktion und der SIM-Karte einen einfachen Zugang zum Fahrzeug ermöglichen. Der „Autoschlüssel“ werde dabei im Secure Element der SIM-Karte sicher abgelegt. Daneben biete diese Konfiguration auch eine sichere Identifizierung und bequeme Bezahlfunktion über die Mobilfunkrechnung. Zusätzlich könne dieser „Schlüssel“ der Zukunft viele personalisierte Funktionen und digitale Services bei hoher Praxistauglichkeit ermöglichen, da er praktisch ständig und von jedem genutzt werde.
Zielkonflikte entstehen dabei im Spannungsfeld zwischen einem effizienten Datenmanagement und den Datenschutzinteressen der Verkehrsteilnehmer. Hier empfiehlt Simon Hania von TomTom, einem führenden Unternehmen für mobile Navigation, eine transparente Kommunikationsstrategie. TomTom versuche mit klar formulierten Aussagen die Öffentlichkeit möglichst transparent über sein Datenmanagement zu informieren. Beispielsweise werde kommuniziert, welche Daten (auch persönliche) erhoben werden, wo sie gespeichert werden, wie sie genutzt und wann sie wieder gelöscht werden.
Passgenau die Marktbedürfnisse erkennen
Dass die Digitalisierung des Verkehrssektors noch ungeahnte Geschäftsmöglichkeiten bietet, betont Max Kury, Geschäftsführer Deutschland des internationalen Start-Ups Ubeeqo. Laut einer Analyse von Deloitte würde nämlich im Vergleich zum heutigen, auf Autobesitz basierten Mobilitätssystem, ein System mit vollautonomen Fahrzeugflotten mit Pay-per-Drive-Abrechnung die Mobilitätskosten auf ein Drittel senken. Aus diesem Marktverständnis heraus hat Ubeeqo ein Modell entwickelt, das Mobilitätsangebote wie etwa Carsharing, Mietwagen und Taxidienst in einer Hand bündelt. Der Kunde kann aus dem umfassenden Mobilitätsangebot die passende Variante auswählen und mit nur einer App alle Vorgänge von der Buchung bis zur Bezahlung handhaben.
Weitere, auf der „Smart Cars & Urban Mobility“ präsentierte Geschäftsmodelle behandelten etwa die Umwandlung von Mobilitätsdaten in nutzbringende Services, sowie die Organisation eines innovativen stadtverträglichen Verkehrs aus Sicht einer Kommune. Viele dieser Themen werden die Branche auch 2017 beschäftigen. Automatisiertes Fahren und das vernetzte Fahrzeug beispielsweise werden zentrale Themen der internationalen Fachmesse Con Car Expo (5. und 6. Juli 2017 in Berlin) sein. Dort werden die weltweit führenden Experten der Branche ihre Neuentwicklungen und Lösungsvorschläge vorstellen. Das gilt auch für die ELIV (Electronic inVehicles, 18. und 19. Oktober 2017 in Bonn). Dort steht die Fahrzeugelektronik im Mittelpunkt.

ConCarExpo – Fachmesse um das vernetzte Fahrzeug

PLUS

Die Digitalisierung schafft die Voraussetzungen, dass künftige Fahrzeuggenerationen untereinander, mit dem Fahrer und der Umwelt kommunizieren. Die Autos werden immer sicherer, komfortabler und smarter. Welche technischen wie infrastrukturellen Hürden noch zu nehmen sind und wie diese Änderungen die Mobilität revolutionieren, sind die großen Themen der ConCarExpo, internationale Fachmesse rund um die Themen vernetztes Fahrzeug, automatisiertes Fahren und IT-Sicherheit im Fahrzeug.
Unter dem Motto „Connected Car & Mobility Solutions“ präsentieren mehr als 100 Aussteller ihre technischen Lösungen und neue Geschäftsmodelle. Im Rahmen der Veranstaltung finden parallel vier Fachkonferenzen statt. Auf diesen referieren über 100 internationale Fachexperten zu den Themen automatisiertes Fahren, Mensch-Maschine-Schnittstellen, IT-Sicherheit sowie digitale Infrastruktur. Die ConCarExpo findet am 5. und 6. Juli 2017 im Hotel Estrel in Berlin statt.

ELIV – Branchentreff für Elektronikexperten

PLUS

Der internationale VDI-Kongress ELIV (ELectronics In Vehicles) ist seit über 30 Jahren die Veranstaltung für alle Experten rund um die Themen Elektrik, Elektronik und Systemintegration von Mechanik und Elektronik. Der Kongress behandelt nicht nur klassische Elektronik-Themen wie Bordnetz, Bedien- und Anzeigekonzepte, Hard- und Software, sondern nimmt vor allen Dingen auch aktuelle Trendthemen wie Elektromobilität, Automatisiertes Fahren, Fahrerassistenzsysteme und Connected Car in den Fokus.
Der Austausch zwischen Fahrzeugherstellern und Zulieferern im Rahmen des Kongresses dient dazu, Innovationen, Entwicklungen und Problemstellungen frühzeitig zu erfassen. Ergänzend zu den Fachvorträgen können sich Teilnehmer in der begleitenden Fachausstellung bei über 120 Zulieferern und Dienstleistern über neue Produkte und Services informieren.
Die nächste Auflage der ELIV am 18. und 19. Oktober 2017 im World Conference Center Bonn statt.
http://hier.pro/gZQmt
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