Start-up Emm! Solutions entwicklet Fahrzeug-Prototyp in nur vier Monaten

Leichtbau

Start-up Emm! solutions entwickelt Kfz-Prototyp in nur vier Monaten

Anzeige
Um die Entwicklungszeit für ein Leichtbau-Konzeptfahrzeug möglichst kurz zu halten, steuerte das Start-up-Unternehmen Emm! solutions die Produktion und Entwicklung der Teile über die webbasierte Software Cassini.PLM. Mit deren Hilfe wurden die Konstruktionsaufgaben in einem Netzwerk aus Lieferanten verteilt. Dank einheitlicher digitaler Kommunikation entlang der gesamten Prozesskette konnten so zahlreiche Teile zeitgleich entwickelt und hinsichtlich ihres Gewichts optimiert werden.

Wie sieht die Mobilität von morgen aus? Mit dieser Aufgabe beschäftigt sich das Start-up Emm! solutions. Hinter dem jungen Unternehmen steckt Armin Müller, der zu Beginn der Neunziger Projektleiter des ESP-Systems bei Daimler und zuletzt in leitender Funktion für Porsche tätig war. „Beim Thema Mobilität geht es darum, eine Transportaufgabe zu lösen. Diese erzeugt Verkehr – mit all seinen Problemen“, sagt Müller. Ein Ansatz für ein neues Mobilitätskonzept für den Individualtransport ist der ILO 1, ein kompaktes Konzeptleichtbaufahrzeug – wenige Zentimeter kleiner als der aktuelle Smart For Two. Im Prototyp findet derzeit eine Person Platz, eine späteren Variante sollen zwei Personen befördern können. Nur vier Monate dauerte die Entwicklung bis hin zum Prototyp. Die größte Herausforderung für das kleine Start-up bestand darin, das Projektmanagement und die Produktionssteuerung möglichst schlank und effizient zu halten. „Wir wollten an Fähigkeiten und Know-how hinzugewinnen, aber nicht wachsen“, sagt Müller, dessen Team derzeit aus neun Mitarbeitern besteht, die mit neuen Mobilitätskonzepten Lösungen für aktuelle Verkehrsprobleme realisieren.

Hier kommt das Product-Lifecycle-Management-System Cassini.PLM der ebenfalls noch jungen Cassini Systems Europe ins Spiel: Über deren webbasierte Software lief die gesamte Kommunikation mit den Lieferanten ab. Im Cassini.PLM können einzelne Teile oder Bauteilgruppen für einen bestimmten Lieferanten freigegeben werden und so in einem Netzwerk aus Lieferanten verteilt werden. Jeder Lieferant erhält dann Zugriff auf alle dort hinterlegten Dokumente, die für die Herstellung seines Teiles relevant sind: die CAD-Daten und genaue Spezifikationen, etwa was Qualität, Strapazierfähigkeit oder das erlaubte Gesamtgewicht des Teils anbelangt. „Mit diesen Daten kann sich der Hersteller gleich an die Konstruktion des Bauteils machen und viele Zwischenschritte, vor allem in der Kommunikation, entfallen dadurch. Diese Vorgehensweise haben wir bei unserem ILO 1 erprobt“, berichtet Müller. Denn für ihn gehörte zum Gesamtkonzept des Fahrzeuges auch die Frage, wie bei diesem Projekt Kollaboration möglichst schlank und effizient stattfinden kann.

Nach getaner Arbeit lädt der Lieferant seine Dateien wieder in das Online-System hoch und produziert das Teil. Es findet also automatisch eine digitale Dokumentation der Entwicklungsarbeit statt und der Datenaustausch erfolgt für alle beteiligten Akteure nachvollziehbar über diese Schnittstelle. „Die Besonderheit an diesem System ist“, So Müller, „dass wir viele klassische Detailaufgaben in der Konstruktionsarbeit, etwa die Teile leichter zu machen oder ihre Funktion zu verbessern, unter den Lieferanten verteilt haben. Sie mussten also nicht von einer Firma allein geschultert werden und viele Prozesse konnten so parallel ablaufen.“

„Durch die Digitalisierung der Prozesskette und die Entwicklung sowie Produktion in einem Netzwerk aus mehreren Unternehmen hat man die Chance, die Time-to-Market zu verkürzen. Das ist ein enormer Werthebel“, erklärt Wolfgang Seeliger, Geschäftsführer der Leichtbau BW, die den ILO1 im Januar diesen Jahres als besonders interessantes Projekt mit dem ThinKing-Preis ausgezeichnet hat. Um das volle Potenzial ausschöpfen zu können, müsse jedoch wirklich die gesamte Prozesskette digitalisiert und der Datenaustausch standardisiert sein. „Dies eröffnet für den Leichtbau ganz neue Möglichkeiten, denn so können Produktion und Entwicklung zukünftig noch enger zusammenarbeiten. Es werden ganz andere Arbeitsweisen und Abläufe in die Unternehmen und die Lieferkette einziehen“, ist Seeliger überzeugt.

Die Konstruktion des ILO 1 ist ein Paradebeispiel für Top-down-Konzeptleichtbau. „Wir sind mit einem konzeptionellen Ansatz an das Projekt herangegangen und haben uns gefragt, was nötig ist, um die Herausforderung der Mobilität zu erfüllen,“ berichtet der Emm!-solutions-Geschäftsführer: „Unser Auto sollte außerdem so leicht wie möglich werden, um energieeffizient und ressourcenschonend unterwegs zu sein.“ Beim Thema Mobilität spielt vor allem die Frage des Fahrzeuggewichts eine entscheidende Rolle, also wie viel Kilogramm bewegt werden müssen, um eine Person zu befördern. Mit vier beziehungsweise fünf beförderten Personen ist ein Pkw selten ausgelastet. „Im Schnitt sitzen im Berufsverkehr nur 1,1 Personen im Fahrzeug. Bei einem normalen Pkw müssen für den Transport einer Person rund eineinhalb Tonnen an Fahrzeuggewicht bewegt werden, beim ILO 1 sind es nur 450 Kilogramm“, rechnet Müller vor.DAs GEsamtgewicht war beim ILO 1 eine essentielle Frage, denn um eine Straßenzulassung zu bekommen, darf er maximal 450 kg auf die Waage bringen. „Wir mussten jedes Teil hinsichtlich seiner Funktion optimieren und leichter machen, sonst hätte das Gesamtsystem nicht funktioniert und wir wären nicht unter die 450 Kilogramm gekommen“, erklärt Müller. Noch besser würde das Konzeptfahrzeug abschneiden, wenn man eine zweite Person als Passagier unterbringt. Das geringe Gewicht des Fahrzeugs sorgt für einen geringeren Kraftstoffverbrauch und weniger CO2-Emissionen.

Technik für autonomes Fahren ist bereits an Bord

Die Außenhaut des Konzeptfahrzeuges besteht aus sehr dünnen CFK-Laminat. Im Fahrzeug stecken viele Bauteile, die per Metall- und Kunststoff-3D-Druck hergestellt wurden. Da der ILO 1 elektrisch angetrieben wird, war auch das Gewicht der Batterie ein Thema, doch das konnte das Team durch ein effizientes Energiemanagement auf Softwareseite senken. Mit einer Akkuladung kommt das Fahrzeug auf eine Reichweite von 80 km. Zudem haben die Entwickler bei der Verlegung der Kabelbäume auf kurze Wege und möglichst wenig Materialeinsatz geachtet. „Der ILO 1 ist derzeit das kleinste, kompakteste Mobilitätskonzept”, sagt Müller: „Wenn nur noch ILOs unterwegs wären, würden in zahlreichen Städten auf einen Schlag viele Flächen frei und man hätte kein Parkplatzproblem mehr.“ Auf einen normalen Pkw-Parkplatz passen zwei ILOs.

Momentan gibt es drei Prototypen des Fahrzeugs – alle mit Straßenzulassung. Einer steht im Büro von Emm! solutions und die Entwickler arbeiten weiterhin an kleinen Verbesserungen. Mit entsprechender Programmierung kann der ILO 1 auch hochautomatisiert fahren. Dazu hat er bereits verschiedene Systeme an Bord verbaut, die ihm helfen, seine Umgebung wahrzunehmen und sich darin autonom zu bewegen, etwa Radar- oder Ultraschallsensoren, Kameras und ein Lidar-System zur Objekterkennung sowie Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Doch die Vision von Müller und seinem Team geht noch viel weiter: Der ILO soll mit in der Umgebung fest installierten Sensoren und einem Leit-System interagieren und kommunizieren, damit er intelligent und autonom anhand des aktuellen Verkehrsflusses durch die Stadt navigiert werden kann. Mit dem straßentauglichen Prototypen haben die Entwickler von Emm! solutions den ersten Schritt in diese Richtung bereits gemacht. mc

www.emm-solutions.de

Direkt zum Cassini.PLM-Anbieter …
http://hier.pro/bhHyr


PLUS

Vermittelt kompetente Kooperationspartner

Wenn Unternehmen auf der Suche nach einer Leichtbau-Lösung sind oder einen kompetenten Kooperationspartner benötigen – dann sind sie bei der Leichtbau BW richtig. Diese Landesagentur vertritt das vermutlich größte Leichtbau-Netzwerk der Welt, zu dem über 1700 Unternehmen und mehr als 230 Forschungseinrichtungen gehören. Die Leichtbau BW agiert dabei als Dienstleister für Wirtschaft und Wissenschaft in Baden-Württemberg. Sie beteiligt sich etwa an Messen und internationalen Delegationsreisen, veranstaltet den „Technologietag Hybrider Leichtbau“ sowie teilnehmeroffene Projektgruppen mit Vertretern aus Industrie und Forschung, in denen wichtige Zukunftsfelder und konkrete Projekte erarbeitet werden. Zudem berät sie zu Finanzierungsmöglichkeiten in der Projektförderung, nimmt an wissenschaftlichen Studien und der Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsprogrammen teil, etwa den Zertifikatskursen Leichtbau der Hochschule Aalen und der IHK Ostwürttemberg.

www.leichtbau-bw.de

Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Titelbild AutomobilKONSTRUKTION S6
Ausgabe
S6.2018
LESEN
ARCHIV
ABO

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Video-Tipps

Unser aktueller Video-Tipp: BMW Studie Vision Next 100 - 100 Jahre BMW

Weiterbildung

Weiterbildungsangebote für den Konstruktions- und Entwicklungsingenieur

Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de