2. Euroforum-Konferenz „Elektromobilität“, Köln

Wettlauf um das Elektroauto

Anzeige
Über 70 Vertreter aus der Energie- und Automobilindustrie diskutierten auf der 2. Euroforum-Konferenz „Elektromobilität“ über die lang- und mittelfristigen Perspektiven der strombasierten Mobilität. Die Bundesregierung plant bis 2020 mit einer Millionen Fahrzeuge und fördert diese Entwicklung mit 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Entscheidend für die baldige Einführung von Elektromobilität bleibt zunächst aber die Verfügbarkeit von Elektroautos und leistungsfähigen Batterien.

Angesichts der jüngsten Klima-Initiativen in den USA betonten die politischen Vertreter auf der Euroforum-Konferenz, wie wichtig es sei, sich bereits jetzt als Leitmarkt für die Elektromobilität zu positionieren. 2009 sei es bereits gelungen, das Thema deutlich voranzubringen und erste Pilotprojekte zu starten. Bei aller Euphorie dürften die technischen Herausforderungen bei der Batterieentwicklung und bei der seriellen Fertigung von Elektroautos nicht unterschätzt werden, betonten die Experten weiter.

Batterietechnik zwischen Haltbarkeit und Ladedauer
Dr. Christian Rosenkranz vom Batteriehersteller Johnson Controls Saft Advanced Power Solutions GmbH erläuterte die Herausforderungen, die bei der Batterieentwicklung noch zu lösen sind. Entscheidend seien neben der Batteriegröße und der Kapazität, die Energiedichte, die Lebensdauer sowie Sicherheit und Verfügbarkeit. Bei der Haltbarkeit der Batterien kämpfe man mit dem schnellen Verschleiß der Batterien bei einer Vollent- und Beladung. Je flacher ein Zyklus sei, desto haltbarer sei die Batterie, betonte er. Hybrid-Fahrzeuge hätten eine Ladetiefe von 5 bis 10 % und damit eine Haltbarkeit von gut zehn Jahren. Bei Elektroautos müsse man von einer Ladetiefe von 90 % ausgehen. Bei zwei Zyklen pro Tag mit einer täglichen Fahrleistung von 100 km ergebe sich eine Haltbarkeit von etwa fünf Jahren.
Die Alterung der Batterien hänge allerdings auch von den Temperaturen ab. Da das Nutzungsverhalten noch nicht bekannt sei, wären Haltbarkeitsberechnungen noch rein hypothetisch, räumte Rosenkranz ein. Grundsätzlich sei die Technologie bereits geeignet, die Erwartungen zu erfüllen. „Aufladung wie heute Tanken ist möglich“, betonte er.
Wegen der hohen Belastungen für die Batterien und den großen Verlustleistungen und entsprechender Wärmeentwicklungen prognostizierte Rosenkranz zunächst noch lange Ladezeiten. Diese seien auch der Sicherheit geschuldet. Rosenkranz erinnerte an den enormen Energiegehalt von Elektrozellen, die ein Auto antreiben können. Bei der Sicherheit der Batterien müssten sich die Designkriterien sowohl auf die internen Prozesse in den Zellen, in der Elektronik sowie in der Zellen-Hardware beziehen.
Bei der Rohstoffversorgung kämpfe die Batterieindustrie mit sehr hohen Kobalt-Kosten. Die Verfügbarkeit von Lithium stelle dagegen kein Problem dar. Impulse verspreche sich sein Unternehmen aus den Anreizen der US-Regierung und der EU, die Elektromobilität zu fördern. Da sich auf dem amerikanischen Markt bereits einiges bewege, kündigte Rosenkranz weitere Produktionsstätten seines Unternehmens in den USA an.
Nissan will 2010 mit der seriellen Fertigung beginnen
Trotz der momentanen Wirtschaftskrise treibt der französisch-japanische Autohersteller Renault/Nissan sein Elektroautoprojekt „in vollem Umfang“ voran, betonte Dr. Carsten Reimann (Renault/Nissan AG). In der Autoindustrie werde im Moment ein Wettlauf um die industrielle Fertigung der Fahrzeuge geführt. Sein Unternehmen werde bereits Anfang 2010 die industrielle Fertigung von Elektroautos in Japan aufnehmen, kündigte Reimann an.
„Der Wettlauf um das Elektroauto wird sich an den Batterien entscheiden“, sagte er. Nissan habe gemeinsam mit NEC im Rahmen eines Joint-Ventures die Massenproduktion von Lithium-Ionen-Batterien aufgenommen hat. Zunächst sollen 65 000 Batterien gefertigt werden. „Nissan setzt bewusst auf eine Abdeckung der gesamten Lieferkette der Batterie vom Material über die Zellen bis zum Auto“, betonte Reimann. Die Reichweiten der entwickelten Lithium-Ionen-Batterien seien bereits gut, und man sei optimistisch, bereits 2009 mit der Fertigung beginnen zu können. Zur Deckung der hohen Batteriekosten denke man über Leasing-Konzepte für die Batterien nach. „Wir gehen davon aus, dass man die Preise für die Autos im heutigen Rahmen halten muss“, sagte er. Darum müssten Finanzierungskonzepte für Batterien gefunden werden. In Japan und den USA plane Nissan bereits 2010 die ersten serienmäßigen Elektroautos über Flottenverkäufe anbieten zu können. Der Einstieg in das Europa-Geschäft richte sich nach dem Marktumfeld und sei für 2011 oder 2012 geplant.
Elektromobilität muss Komfort- Bewusstsein beachten
Ungeachtet der politischen Vorgaben habe sich der japanische Autohersteller Toyota das Ziel gesetzt, bereits im Jahr 2009 140 g CO2 pro Kilometer zu unterschreiten, sagte Dirk Breuer von Toyota Deutschland GmbH. Wegen der hohen Energiedichte von Öl habe Toyota schon früh erkannt, dass Öl weiterhin entscheidend für den Antrieb sein wird.
Die hohen Energieverluste und der schlechte energetische Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren habe Toyota schließlich zur Entwicklung von Hybrid-Motoren geführt. Mit der Vorstellung des ersten Toyota Prius 1997 habe man durch Gewichtsreduzierungen, Bremsenergierückgewinnung, Reibungsoptimierung und der Auslagerung von Servolenkung und Klimakompressoren auf elektrische Nebenaggregate und der Integration einer Batterie bereits einen Meilenstein geliefert. Die ständige Optimierung der Verbrennungs- und Elektromotoren habe Toyota zur Entwicklung erster Plug-In-Hybride geführt. Seit 2007 seien bereits fünf Versuchsfahrzeuge im Test, sagte Breuer. Für Ende 2009 kündigte er die Markteinführung der Plug-In-Fahrzeuge an, mit der die Erweiterung der rein elektrischen Reichweite durch Aufladen der Batterie an externen Stromquellen ermöglicht werde. „Elektromobilität darf nicht dem Komfort-Bewusstsein der Menschen widersprechen“, betonte Breuer. Darum setze Toyota weiter auf die Hybrid-Technik, die die Vorteile des Verbrennungsmotors mit denen des Elektromotors verbinde.
Paradigmenwechsel in der Mobilität
Ein Plädoyer für einen generellen Paradigmenwechsel in der Mobilität gab Prof. Dr. Paolo Tumminelli (Spirt Avert AG). Die Autowirtschaft konzentriere sich immer weiter auf die Entwicklung von Verbrennungsmotoren und nicht auf die Entwicklung leistungsstarker Batterien. Angesichts von Geschwindigkeitsbegrenzungen verfehle die Entwicklung immer leistungsstärkerer Motoren die Forderung einer zeitgemäßen Mobilität. Um den Stillstand in der Autowirtschaft beim Thema Elektromobilität zu überwinden, habe Spirt Avert vor zwei Jahren das Projekt „Mindset“ entwickelt und damit das erste europäische Vollelektro-Auto gebaut. „Autos mit herkömmlichen Antriebskonzepten sind am Ende ihres Zyklus“, sagte Tumminelli weiter.
Wegen der großen Resonanz der Euroforum-Konferenz „Elektromobilität“ bietet Euroforum bereits am 23. und 24. November 2009 eine weitere Konferenz zu diesem Thema in München an.
Das Programm im Internet: www.Euroforum.de/P1103970
Informa Deutschland SE;
Telefon: 0211 9686-33 87;
E-Mail: nadja.thomas @informa.com

Elektroauto Mindset
Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Titelbild AutomobilKONSTRUKTION S5
Ausgabe
S5.2019
LESEN
ARCHIV
ABO

Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Whitepaper aller unserer Industrieseiten

Video-Tipps

Unser aktueller Video-Tipp: 100 Jahre BMW

Weiterbildung

Weiterbildungsangebote für den Konstruktions- und Entwicklungsingenieur

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de