Horst Binnig von Rheinmetall sieht China als zentralen Markt

Elektromobilität

Horst Binnig von Rheinmetall sieht China als zentralen Markt

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Grafik: Rheinmetall Automotive
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Die Bedeutung des chinesischen Marktes für die internationale Automobilindustrie ist unbestritten. Wird der chinesische Automobilmarkt heute und in Zukunft ebenso eine äußerst wichtige Rolle in der Verbreitung der Elektromobilität auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus haben? In diesem Exklusivinterview nimmt Horst Binnig, Vorstandschef von Rheinmetall Automotive und ein profunder Kenner Chinas, dazu Stellung.

Interview: Jürgen Goroncy, freier Journalist und Mitarbeiter der KEM Automobilkonstruktion, Besigheim

KEM Konstruktion: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Elektromobilität in China ein?

Horst Binnig: Das Land hat in den zurückliegenden Jahrzehnten eine einzigartige Erfolgsstory geschrieben. Mittlerweile sind die internationalen OEMs nahezu vollzählig auf diesem weltweit größten Fahrzeugmarkt präsent, der eine Dynamik entwickelt hat, die vor einem guten Jahrzehnt noch niemand zu prognostizieren wagte. Hinzu kommt eine stetig wachsende Zahl einheimischer Automobilmarken. Chinas rasante technische Entwicklung im Automobilsektor geht indes bereits weiter und wendet sich unaufhaltsam neuen Antriebsformen zu. Geht es nach der SAE China (Society of Automotive Engineers), sollen Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride dort bis zum Jahr 2030 einen Marktanteil von zirka 40 bis 50 Prozent erreichen. 2020 bereits soll der Bestand an Fahrzeugen mit neuen Antriebstechnologien – New Energy Vehicles (NEV) – fünf Millionen Einheiten betragen. Dazu zählen Plug-in-Hybride sowie Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge.

KEM Konstruktion: Wie wirkt sich das auf das Geschäft von Rheinmetall Automotive in China aus?

Binnig: Wir sind seit mehr als zwanzig Jahren mit jetzt zehn Unternehmen vor Ort und erwirtschaften mittlerweile mit 5000 Beschäftigten in China einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro. Auch wir sehen aktuell deutliche Vorzeichen für eine kontinuierliche Entwicklung des chinesischen Marktes hin zu neuen Antriebsformen. Neben den klassischen Produkten, wie etwa Kolben, Kurbelgehäusen, Zylinderköpfen und Produkten zur Schadstoffreduzierung, fragen die Kunden in China verstärkt Leichtbauteile sowie elektrifizierte Komponenten für Hybridantriebe, wie beispielsweise regelbare Pumpen, oder Produkte für reine Elektromobile nach.

KEM Konstruktion: Können Sie Beispiele dafür nennen?

Binnig: Dazu zählen unter anderem Batterieträger für Elektrofahrzeuge oder Spezialgehäuse für komplette Elektromotoren, die wir künftig vor Ort speziell für den chinesischen Markt fertigen werden.

KEM Konstruktion: Wie nachhaltig ist diese Entwicklung in China?

Binnig: Alles deutet darauf hin, dass dort die Entwicklung der Elektromobilität weiter an Fahrt gewinnt. Die Einführung schärferer Abgasnormen nach europäischem Vorbild, wie aktuell bereits in Peking und Shanghai, wird von den chinesischen Behörden konsequent umgesetzt. Hinzu kommt eine konstante Reduzierung des Flottenverbrauchs CAFC (Corporate Average Fuel Consumption). Betrug dieser 2016 noch 6,7 Liter auf 100 Kilometer, so muss er bis 2020 auf 5 Liter sinken und darf 2025 nach den Plänen sogar nur noch 4 Liter betragen. Dies macht fast zwangsläufig einen Mix zukunftsweisender Motorenkonzepte notwendig.

Auch alternative Antriebsformen unterstützt der chinesische Staat auf vielfältige Weise. Dies zeigen das neue gesetzliche Dual-Credit-System für die CAFC-Ziele und der Anteil an Fahrzeugen mit neuen Antriebsformen. Der zu erfüllende Credit-Grenzwert wird bei NEVs voraussichtlich ab 2019 mit einem Wert von zehn Prozent einsetzen und sich im folgenden Jahr bis auf zwölf Prozent erhöhen.

KEM Konstruktion: Ist die Infrastruktur dafür ausgelegt?

Binnig: China baut derweil sein Netz an Ladesäulen entlang der Hauptverkehrsachsen zügig weiter aus. Neue Wohngebäude müssen künftig zu 100 Prozent über Ladestationen für Elektrofahrzeuge verfügen. Ein Zehntel bereits bestehender Parkplätze muss nachträglich für das elektrische Aufladen umgerüstet werden. Insgesamt plant das Land eine Infrastruktur für fünf Millionen Elektrofahrzeuge bis 2020.

Außerdem fördert China auf staatlicher, regionaler oder lokaler Ebene massiv den Erwerb von Elektrofahrzeugen, dies nicht nur über Fahrzeugpreis, Erwerbs- oder Kfz-Steuer, sondern vor allem über die besonders in Megacities noch begehrtere Fahrzeugzulassung. Hinzu kommen Vergünstigungen beim Laden. Und auch hier ist die chinesische Hauptstadt Bejing Vorreiter, denn sie fördert schon heute keine Plug-In-Hybride mehr, sondern konzentriert sich nur noch auf reine Elektrofahrzeuge.

KEM Konstruktion: Wie fördert der Staat noch die Elektromobilität?

Binnig: Die ergriffenen staatlichen Maßnahmen betreffen auch die Struktur der Fahrzeugindustrie. Fahrzeughersteller, die sich neu ansiedeln wollen, bekommen nach einem Beschluss des Staatsrates vom vergangenen Oktober Zulassungsschwierigkeiten, wenn sie keine Elektrofahrzeuge produzieren. Mittlerweile haben bereits elf chinesische Unternehmen eine Lizenz zur Herstellung von Elektrofahrzeugen erhalten. Ich bin überzeugt davon, was ‚morgen‘ in China passiert, hat spätestens ‚übermorgen‘ auch Auswirkungen auf alle internationalen Märkte unserer Industrie.

www.rheinmetall-automotive.com

Details zu.den weltweiten Standorten des Unternehmens..
hier.pro/zy8zx


„Ich bin überzeugt davon, was ‚morgen‘ in China passiert, hat spätestens ‚übermorgen‘ auch Auswirkungen auf alle internationalen Märkte unserer Industrie.“

Horst Binnig, Vorstandsvorsitzender, Rheinmetall Automotive
Bild: Rheinmetall Automotive

Ab 2018 liefert Rheinmetall Automotive über ein Gemeinschaftsunternehmen in Guangde Elektromotorengehäuse aus Aluminium für den chinesischen Markt

Bild: Rheinmetall Automotive

info

Horst Binning

Horst Binnig (59) hat mit Wirkung zum 1. Januar 2014 den Vorstandsvorsitz der Rheinmetall Automotive AG übernommen. Der Unternehmens-Gruppe gehört er seit 1999 an und ist seit dem 1. Januar 2012 Mitglied des Vorstands. Davor leitete er mehr als elf Jahre das Geschäft mit Leichtbau-Motorblöcken, Zylinderköpfen und Strukturbauteilen aus Aluminium. Es folgte die Gesamtverantwortung für die heutige Division Hardparts, zu der außerdem die Aktivitäten bei Kolben und Gleitlagern gehören. Danach übernahm er zusätzlich die Zuständigkeit für die Division Mechatronics, mit den Bereichen Schadstoff- und Verbrauchsreduzierung sowie dem Pumpengeschäft. Binnig war auch maßgeblich für den Aufbau des zweiten großen Joint Ventures der Gruppe mit der SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) in China verantwortlich und hat den Ausbau der dortigen Aktivitäten wie auch die weitere Internationalisierung nachhaltig geprägt und vorangetrieben.

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