Umbau von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zu Elektroautos

Aus Liebe zur Elektromobilität

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Ein Elektronikfachhandel in Österreich hat ein neues Geschäftsmodell entwickelt: den Umbau von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zu Elektroautos. Dass die Nachfrage danach steigt, hat ökologische und ökonomische Hintergründe. Die komplette Verkabelungstechnik für die Umrüstung liefert die Lapp-Gruppe.

Die Autorin: Franziska Buch, GlobalCom PR, München

Entscheidend war der Tag, an dem sich Markus Kreisels Vater ein Elektroauto kaufte – einen Renault mit 90 PS. Kreisel selbst hatte sich kurz davor einen Traum erfüllt und fuhr nun ein Oberklassefahrzeug mit 300 PS. Doch als er eine Probefahrt mit dem elektrisch angetriebenen Auto machte, stellte er fest: „Der geht mit seinen 90 PS besser als jeder hochmotorige Benziner!“ Elektrofahrzeuge verfügen über ein besseres Drehmoment in der Beschleunigungsphase, während Benziner erst im oberen Bereich sehr sportlich zu fahren sind.
Das Erlebnis ließ Markus Kreisel nicht los. Er hätte sich nun gerne einen Tesla bestellt, doch der hohe Preis und die langen Lieferzeiten schreckten ihn ab. Stattdessen setzte er sich mit seinen beiden Brüdern zusammen – Philipp, Maschinenbautechniker, und Johann, Elektroniker – und entwickelte eine neue Geschäftsidee. Markus Kreisel beschloss, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zu Elektroautos umzubauen. Die drei Brüder betreiben gemeinsam den Elektrofachhandel Red Zac Kreisel, der 2010 den österreichischen Innovationsaward für Elektronikunternehmen erhielt. Vor über dreißig Jahren hatte der Vater der Kreisel-Brüder, Johann Kreisel, die Firma in Freistadt gegründet.
Vom Experiment zum standardisierten Umbau-Kit
Nun geht Red Zac Kreisel neue Wege. Mit dem Geschäftszweig Elektromobilität möchte das Unternehmen nicht nur sein Image als innovative Elektronikfirma festigen. „Wir haben gesehen: Mit diesem Modell kann man Geld verdienen“, erklärt Markus Kreisel, der mit seinem betriebswirtschaftlichen Hintergrund das Management des Fachhandels innehat. Vor Konkurrenz müssen sich die Freistädter bisher auch noch nicht fürchten – laut Kreisel gibt es in Österreich keine Mitbewerber.
Es begann mit Experimenten in der eigenen Werkstatt, inzwischen haben die Kreisels standardisierte Umbaukits für oft nachgefragte Automarken von Volkswagen bis Porsche entwickelt. Mit diesen können Autoliebhaber ihre Fahrzeuge sogar selbst umbauen. Gerade bei älteren Autos ist dies möglich, während bei manchen neueren Modellen die Menge an elektronischen Komponenten die Umrüstung komplizierter macht. Die Kits enthalten CNC-gefräste Teile, angepasste Halterungen sowie genaue Computerzeichnungen des Umbauvorgangs.
Umweltschutz und sportliches Fahrgefühl
Vor allem Privatkunden sind es bisher, die sich für den Umbau interessieren. Treibende Kraft ist für sie zumeist der Umweltaspekt, „und dann sind sie überrascht, dass das Auto so sportlich im Fahrgefühl ist“. Vier bis fünf Anfragen pro Tag gehen bei Red Zac Kreisel ein, viele davon aus Deutschland, insbesondere aus Bayern. Von dort kommen gerade Solaranlagenbesitzer, die nun mithilfe eines Elektroautos fast vollständig zu energieautarken Selbstversorgern werden wollen. Die Firma kann die Fahrzeuge so bauen, dass die Batterie als Speicher für den PV-Strom dienen kann. Auf diese Weise können Solarstromerzeuger einen besonders hohen Anteil der selbst erzeugten Elektrizität vor Ort verbrauchen.
Andere Kunden kommen vor allem wegen der hohen Reichweite, die Kreisel bei den Elektroautos erreicht. Bis zu 400 km können die Stromer nach der Umrüstung ohne Ladepause zurücklegen. Solche Reichweiten erreichen die meisten bisher auf dem Markt verfügbaren Elektrofahrzeuge noch nicht, denn dafür müssen teurere Batterien eingebaut werden. Da etwa 80 % der zurückgelegten Strecken nicht länger als 50 km sind, wird das Elektroauto auf dem Massenmarkt bisher vor allem als ideales Stadt- bzw. Zweitauto verkauft. Manche Kunden schreckt das jedoch ab. Sie sind bereit, mehr zu bezahlen, um mit ihrem E-Mobil alle Möglichkeiten abzudecken.
Die zweite große Frage ist stets: Wie lange dauert das Laden? Denn niemand möchte eine längere Autofahrt durch stundenlange Wartezeiten unterbrechen. Zumindest teilweise Abhilfe schaffen kann die von Kreisel auf Wunsch eingebaute DC-Schnellladetechnik. Mit einem speziellen Ladegerät kann man dadurch zu Hause innerhalb von einer Stunde, an speziellen Ladestationen gar innerhalb von einer Viertelstunde aufladen.
Für jeden die passende Lösung
Kreisel bietet verschiedene Umbaumodelle an: Ab 15 000 Euro ist die Umrüstung eines kleinen Pkw zum Stromfahrzeug mit 100 km Reichweite möglich, dann geht es stufenweise weiter bis zu 100 000 Euro für die High-End-Lösung. Für Reichweiten im niedrigeren Bereich bis zu 150 km verwendet die Firma Lithium-Eisenphosphat-Batterien, die günstiger und unkomplizierter, aber auch schwerer sind. Lithium- Ionen-Batterien sind kleiner und um etwa zwei Drittel leichter und werden daher eingesetzt, wenn höhere Reichweiten bis zu 400 km gewünscht sind.
„Bei den eingesetzten Komponenten haben wir experimentiert, bis wir die optimalen Lösungen gefunden haben“, erklärt Markus Kreisel. Die komplette Verkabelungstechnik einschließlich Steckverbindungen sowie die Ladekabel beziehen die E-Mobility-Spezialisten bei Lapp Kabel. „Die Produkte von Lapp sind das Beste am Markt für diesen Bereich“, so das Resümee von Kreisel. Mit Anschluss-, Daten- und Steuerleitungen, Kabelverschraubungen und anderen Systemprodukten für Ladesäulen über Ladesysteme bis hin zur Hochvoltverkabelung im Fahrzeug und den Verbindungen der einzelnen Akkuzellen im Energiespeicher deckt Lapp in der Tat sämtliche Anforderungen des jungen Marktes an die Verkabelung ab.
Die genaue Konfiguration der Umrüstung hängt vor allem vom höchsten zulässigen Gesamtgewicht des jeweiligen Fahrzeugs ab. Das Gewichtsverhältnis und die Achslast müssen nach dem Umbau den ursprünglichen Werten entsprechen. Je schwerer also das Auto, desto mehr Batterien können verwendet werden. Durch das Gewicht verliert es jedoch gleichzeitig an Effizienz. Da schwerere Fahrzeuge aber auch mehr Treibstoff verbrauchen, amortisiert sich die Elektrifizierung hier auch schneller. Großes Potenzial hat die Elektromobilität daher insbesondere für Geschäftskunden, die etwa größere Lieferwagen nutzen. Die kumulierte Einsparung an Treibstoff, Service- und Versicherungskosten sowie Kfz-Steuern lohnt sich für diese aufgrund der ständigen Nutzung der Fahrzeuge noch schneller als für Privatkunden.
Sparen bei Wartung, Sprit und Steuern
Einsparungen ergeben sich durch den Wechsel zu Stromfahrzeugen an verschiedenen Stellen. So sind etwa die Serviceintervalle größer, denn das Elektroauto verbraucht kein Öl und der Bremsverschleiß ist wesentlich geringer. Das liegt daran, dass die Bremsen oft nicht benötigt werden, da die Bremsenergie ohne Verschleiß direkt wieder in Strom umgewandelt werden kann. Dazu wird einfach der Motor zum Generator umfunktioniert. Werkstattbesuche sind daher nur noch selten notwendig. Wichtigster Faktor ist die Einsparung bei den Treibstoffkosten, die mit zunehmenden Benzinpreisen eine immer größere Rolle spielen wird. Auch bei der Kfz-Steuer gibt es Vergünstigungen im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren: Wird ein Elektroauto zwischen dem 18. Mai 2011 und dem 31. Dezember 2015 erstmals zugelassen, entfällt die Kfz-Steuer für zehn Jahre. Einige Versicherungsunternehmen bieten zudem günstige Tarife für Elektrofahrzeuge an.
Gerade bei Lkw im kommerziellen Einsatz sieht Kreisel eine Menge Potenzial. Zum Beispiel für Brauereien könne die Elektrifizierung wirtschaftlich hochinteressant sein. Für ihre Lieferungen sind sie den ganzen Tag unterwegs, müssen dabei aber im Normalfall keine langen Strecken zurücklegen. So arbeitet Red Zac Kreisel schon an einem Umbaukonzept für Lastwagen. Anfang 2014 soll ein Demofahrzeug fertig sein, das Brauereien für eine Woche zur Probe fahren können. Dann wird sich herausstellen, ob der Elektrofachhandel mal wieder eine Marktlücke gefunden hat.
Kreisel, Tel.: +43 79 4272236, mk@kreisel.cc
Lapp, Tel.: 0711 7838-01, info@lappkabel.de
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